27. August: Und nun gehst Du schon … (nach Japan)

Und nun gehst du schon, keiner kann dich halten
Oma nicht, Opa nicht, ich schon gar nicht
mir scheint fast, du hast ein wenig zu lang
über den Rand des Nestes, durch den Spalt in der Tür, über den Tellerrand hinweg geschaut
und hast gesehen, was es bedeutet, wenn der Dunst über den Wiesen steht und die Sonne aufgeht
darum gehst du schon.

Nun gehst du schon, ich habe die Hoffnung,
dass du nur kurz entfliehst, den „Meckerlingen“ hinterher zu rennen,
es war doch eben erst, als du dir so viel Zeit gelassen,
um mit viel Mühen auf die Welt zu kommen,
gerade noch in der Wiege gelegen, gerade im Wagen durch die Stiftungen geschoben, gerade mit Frau Wittenbecher gesungen,
gerade erster Schultag vorbei, gerade von der Erstkommunion zurück, gerade erst mit der Bahn zum Gymnasium gefahren,
doch nun gehst du schon.

Nun gehst du schon, habe ich nicht auch geträumt,
vom Wegehen, vom Entfliehen hinterher
dem Tiger von Eschnapur,
eine Daimoyo-Frau war mir schon längst versprochen
am Ende habe ich mich in den cantabrischen Bergen verkrochen,
wie der Heilige Beatus in Liébana am Busen der Madonna der guten Milch, und die Maria vom Schnee in den Armen,
gerade erst losgefahren, gerade erst jung gewesen, gerade auf den Marktplatz von Salamanca getanzt, und aufgewacht:
denn nun gehst du schon.

Und nun gehst du schon,
ich habe graue Haare
nun gehst du schon
ich kann nur hinterher schauen.

Für Marie, die am 27. August für 10 Monate nach Japan geht.

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