Mehr Katholiken braucht das Land

Die Weltfremdheit der einst so pragmatischen deutschen Realpolitik dehnt sich nicht nur epidemieartig aus, sondern kennt anscheinend keine Grenzen mehr: Stuttgart 21, längere Atomlaufzeiten trotz ungeklärter Entsorgung und knapper Uranresourcen, Zerschlagung eines einigermaßen funktionierenden Gesundheitssystems und das auf Kosten der Arbeitnehmer und jetzt kommt die ultimative Lösung unserer Familienprobleme und des demographischen Wandels: Ministerpräsident Böhmer aus Sachsen-Anhalt wünscht sich mehr Katholiken für das Land. Hier nachzulesen…

Mit stockkonservativen katholischen Männern und gebärfreudigen katholischen Becken ist dieses Land also zu retten! Wo diese herkommen sollen, ob er Papst Benedikt schon um Amtshilfe gebeten hat und wo diese Leute Auskommen und Wohnraum finden sollen, sagt MP Böhmer nicht. Aber Katholiken sollen es sein, deshalb findet er auch den Herrn Sarrazin so gut, denn Turbanträger und ihre Harems sollen es nicht sein, die Deutschlands Nachwuchs sicherstellen.  Der Herr Sarrazin ist seiner Meinung nach auch nur ein konservativer Querdenker und nicht das, was er eigentlich ist. Da macht Herr Böhmer mir jetzt richtig Angst: Man muss also nur ordentlich Weihwasser über den Teufel ausschütten damit er gut wird???  Herr Böhmer denkt also, der Sarrazin spricht Wahres aus, drückt es nur verkehrt aus: Statt Turbanträger vor die Tür, die sich so unvorteilhaft fleißig vermehren, sagt man lieber: Katholiken rein, damit die sich noch fleissiger vermehren. Und im gleichen Atemzug tadelt er die jungen Männer, die nicht mehr richtig ihrem Erzeugerwerk nachgehen können oder wollen. (Manche scheuen ja so sehr das Weib, dass sie sich mit ihresgleichen paaren, mein Gott !) Und fromme Katholiken wollen auch keine Sozialleistungen oder Familienförderung, die vermehren sich auch so. Wie in der guten alten Zeit!  „Katholiken als Retter“, wie Andreas Montag von der MZ schreibt. Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Wie im Märchen mit unserem Ministerpräsidenten als gute Fee und Papst Benedikt als göttlichen Retter. Der könnte ja zu Beginn schon mal als Amtshilfe die strammen Jungs seiner Garde schicken. Die werden ausgetauscht gegen unsere fortpflanzungsunwillige Bereitschaftspolizei. Dann wird es auch gleich lustiger im Vatikan!

Übrigens sind wir ja auch katholisch, fällt mir gerade ein. Herr Böhmer, bekommen wir auch eine Förderung, wenn wir mal kurz ausreisen und dann wieder reinkommen? Ach so, an eine Förderung war gar nicht gedacht.

So ist das also, na, dann vermehren wir uns halt nicht. Haben Sie jetzt davon, sagt Ihnen der To.

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