Tagesmenüs …, Atlantikbrise 4

… oder vom Essengehen in Asturien*

Wir haben wieder  gut in Nordspanien gegessen, es gab eine Ausnahme und die werde ich nicht diskret verschweigen, sondern ausdrücklich und launisch kommentieren. Außerdem bitte ich Paella und Tapas zu vergessen! Kleine Häppchen gibt es zwar in Nordspanien auch, aber die heißen hier Pintxos/Pinchos und werden üblicherweise am Abend zu Getränken gereicht. Das ist sehr nett, es sei denn, man ist bereits vom Abendessen so satt, dass man es nicht mehr würdigen kann.

Die Küche in Asturien ist, wie in den meisten Gegenden Spaniens, die Städte sind da nicht ausgenommen, rustikal und ländlich. Wenn möglich, sollte in den Restaurants eine gute spanische Errungenschaft in Anspruch genommen werden, die sich Menú del día  nennt. Am Abend heißt es mitunter Menú del Cena oder Menú del Noche, gemeint ist das gleiche! Für einen Festpreis von 9 bis 25 € gibt es ein Zweigängemenü, Getränk dazu (in der Regel eine Flasche Wein, aber im Zuge der Modernisierung wird auch Bier gereicht, während die Kombination Vino y Agua immer mehr verschwindet) und am Ende ein Nachtisch (Postre), evt. sogar noch ein kleiner Kaffee (Expresso, in Spanien Café solo genannt) und natürlich ist gefüllte Brotkorb in der Regel kostenlos dazu gehörig!

In vielen Restaurants ist das Menú mit Preis bereits an der Tür angeschlagen oder man kann es in der Karte ersehen. Für Sprachunkundige oder für unbekannte Gerichte empfehle ich „Kulinarischer Sprachführer Spanien“ von Cornelia Adam. Obwohl recht gut beschlagen, was nordspanische Küche betrifft, haben auch wir dort einige Male nachgeschlagen. Wir wollten auch neue Gerichte kennenlernen! Leider ist dieses handliche und nützliche Werk im Moment vergriffen.

Kehren wir zu unserem Tagesmenü zurück, es kann folgendermaßen aussehen: Der erste Gang besteht aus der „Fabada“, der asturischen Bohnensuppe, mit verschiedenen Würsten und Speck in großen Stücken (darf nicht zu fett sein!). Die „Fabada“ ist der asturische Klassiker und sollte wenigstens einmal bei einem Asturienaufenthalt probiert werden. Als zweiten Gang wählte ich Merluza (Seehecht) a la Cabrales, das heißt Fisch (gekocht oder gebraten) mit einer Sauce aus Käse aus dem Cabrales-Gebirge serviert. Cabrales ist ein Art Schimmelkäse vergleichbar mit dem Rouquefort und wird bis heute in Höhlen im Gebirge zur Reife gebracht. In der traditionellen Küche gehört nur das Brot zum Fisch oder Fleisch dazu. Leider hat die Unsitte der Pommes Frites weite, weite Wellen geschlagen und man kann Ihnen zumindest beim zweiten Gang kaum entgehen. Allerdings haben wir bei einigen Restaurants lobend feststellen können, dass die obligatorischen Kartoffelstäbchen selbstgemacht waren und dementsprechend gut schmeckten. War die Auswahl bei Gang 1 und 2 noch übersichtlich, wird es beim Nachtisch oft schwierig. Obst der Saison, Klassiker wie Natillas (aus Milch, Eigelb und Zucker hergestellt, oft mit Vanillegeschmack) und Flan, Karamelpudding, Kokosflan, Yoghurt, Tortenstücke oder Eis stehen zur Auswahl.
*Läßt sich auch auf andere Gegenden Spaniens übertragen

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Die Sidraría Covadonga unter vollen Segeln, hier hat es geschmeckt

Was wir empfehlen und was nicht

Die Zeiten des gepflegten Comedors, des Essenssaals, in dem man in  gepflegter Kleidung speiste, sind endgültig vorbei. Die spanischen Touristen sitzen wie der „gemeine Mitteleuropäer“ inzwischen gerne draußen, auch gerne an der Straße. Klären wir zunächst, was ist in aller Herrgottsnamen eine Sidraría ? Das ist ein Restaurant, in dem auch Sidra ausgeschenkt wird. Vielleicht hatte es früher einfach die Bedeutung einer Apfelweinkneipe, heute allerdings kann man es allerorten mit einem Restaurant gleichsetzen. Das Thema Sidra würde ich gerne etwas verschieben.

Wirkliche kulinarische Höhepunkt gab es auf unserer Reise nicht, aber das eine oder andere können wir doch empfehlen: In Ribadesella die Sidraría und das Hotel „Covadonga“: Gute Küche, große Auswahl im Menü, zudem gutes Preisleistungsverhältnis. Die Theke als Schiff ist schon alleine einen Besuch wert. Kulinarisch war es das beste Essen auf der Reise innerhalb eines Menüs.

In Las Arenas de Cabrales ist es die Sidrería „La Jueya“, die wir empfehlen. Hier lernte ich den Cabrales-Käse als Sauce kennen! Man muss von der Haupstraße (in der Kurve) eine Treppe hochsteigen und von hinten herein. Hier gibt es gleichbleibend gute Küche und sehr nette und geduldige Bedienung, aber kleinere Auswahl. Dafür sehr günstig.

Wer sich nach Oviedo verirrt, wie meine beiden Damen zum „Shopping“, der sollte „Platero y yo“ aufsuchen. Das Essen ist gut und günstig, die Bedienung sehr lieb und zuvorkommend.

Für guten Kaffee, Kuchen, W-Lan und ein nettes Gespräch abseits der Straße ist in Villaviciosa das Confitería Colón zu besuchen. Asturien bietet im Vergleich zu Restspanien wirklich ausgesprochen gute Torten und Süssspeisen. Hier sind sie zu probieren!

Diese Orte stehen stellvertretend für viele weitere, die wir besuchten und wo wir zufriedenstellend bis gut aßen. Einige werden noch im Bericht erwähnt. Auch wenn es das Essen oft keine kulinarische Offenbarung war, so machte doch die Freundlichkeit und Herzlichkeit des Personals vieles wett. Mitunter konnte man bei dem Preis auch nicht mehr verlangen.

Ganz anders lag der Fall hier: Warnen möchten wir vor „El Congréso de Benjamin“ in Villaviciosa, denen wohl der Besuch von Ministerpräsident Zapatero zu Kopf gestiegen ist.

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Hier hat es uns nicht geschmeckt. Die Fabada war viel zu fettig und der Fisch war alt.

Die Bedienung war so freundlich wie die Guardia Civil bei der Festnahme eines Schwerverbrechers. Nahm man an einem Tisch für 6-Personen mit nur vier Personen Platz, wurde man angeschnauzt, als hätte man die Zeche geprellt. Wir hätten gehen sollen. Denn was jetzt kam, war noch viel schlimmer: Die Fabada war fettig, die andere Vorspeise kam  aus der Konserve direkt auf den Teller. Der Fisch war def. vom Vortag und grenzwertig. Selbst mein Nachtisch, Flan, war zusammengefallen, schmeckte aber wenigstens. Wer nun der Meinung war, dann genieße ich wenigstens den Wein, der nicht schlechter war als in anderen Restaurants, hatte sich verrechnet, denn die Kellner-Guardia stand wieder bei Fuß, denn es wollten auch noch andere schlecht essen! Bezahlt und verschwindet, Leute! Drum merke, wo viele Spanier (auch nur Touristen) hinströmen, muss das Essen nicht gut sein. Für mich also die schlechteste Sidraría von ganz Asturien!

 Bis zum nächsten (asturischen) Teil, Euer To.

 

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