Ein Abend im Alto de las Estazadas, Atlantikbrise 7

Panorama

Eine Bar in Arenas

Wir sind wieder in Las Arenas, Annette und Hannes besichtigen das Käsemuseum und die Höhlen, in denen der Cabrales-Käse reift, während Marie und ich in einer Bar geblieben sind und die Mittagshitze abwarten. Ich gehe einer Lieblingsbeschäftigung von mir nach, in einer span. Bar zu sitzen und den Tag entspannt verstreichen zu lassen. Nehmen wir als Beispiel diese Bar in Arenas, die auch wirklich etwas hat: Holz, Naturstein, Kacheln, dazu skurrile Uhren und alte Haushaltgegenstände an den Wänden. Das wird ergänzt durch den ältliche Barmann hinter seinem Holztresen. Er trägt natürlich Hemd und Pullunder. Ein Original darf nicht fehlen: Ein Mann, der am äußersten Rand des Tresen sitzt, sieht aus wie Don Quixote persönlich.
Durch die geöffnete Tür sehe ich nach draußen: Auch das Ambiente dort ist beachtenswert: Zwar liegt die Bar an der Hauptstraße, aber gegenüber ist eine alte Mauer, eine Straßenlaterne, ein altes Steinhaus mit Holzfenstern und ein Feigenbaum. Ab und zu laufen interessante oder lustige Leute vorbei. Oder: Im Fernsehen läuft „Tour de France“. Da immer Spanier mitfahren, wird das von den alten Männer lautstark kommentiert. Sie lassen sich auch durch Dopingvorwürfe nicht von der Begeisterung abhalten. „Don Quixote“ stellt sich hinzu, wird aber von den anderen links liegen gelassen.  Auch die Barfrau Maria ist interessant: Viel zu dünn, angespannt, konzentriert, macht sie sich mit Raumspray dran, den Comedor (Speisesaal) nebenan wieder frisch zu bekommen, die hübsche Nase immer voran, der haben Alkohol, Zigaretten und fünfunddreißig Jahre noch nichts anhaben können.

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Die Berge, bevor wir uns verirrten

 Calzada Romana

Heute wollten wir wandern. Marie blieb solange am Bach in Arenas sitzen. Der erste Wanderweg führte uns, weil wir den falschen Abzweig nahmen, nur zu einer Finca mit Ziegen und Katzen. Am Nachmittag probierten wir es noch einmal, ob wir die Calzada Romana, die Römerstraße, finden würden. Tatsächlich stießen wir am Hang auf die ersten Reste. Später fanden wir die vollständige Straße vor, die sich in Serpentinen die Berge hinaufwand. Im Gegensatz zu der gewaltigen Heeresstraße, die wir in den Sierra de Gredos vorfanden, war dies eine kleine Straße, gerade mal zwei Legionäre oder ein kleiner Karren hätten in dieser Breite Platz gefunden. Und doch musste dies eine der Hauptverkehrsadern aus den Süden der iberischen Provinzen nach Asturien gewesen sein.

Römerstraße Asturien Calzada Romana

Römerstraße, Calzada romana

 Römerstraße Asturien Calzada Romana

Es war schwül und ich quälte mich hinter Annette her immer höher hinauf. Sie schritt fröhlich voran und die Wärme schien ihr nichts auszumachen. An einem bestimmten Punkt wollten wir umkehren, da es bereits spät war. Das Wetter nahm uns die Entscheidung ab: Plötzlich bauten sich um uns herum Wolken auf, die Bergspitzen verschwanden daran und die dunkle Regen- und Gewittermacht begann von oben die Hänge herunter zu marschieren. Wir bliesen zum Rückzug.

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Gleich fällt uns der Himmel auf den Kopf

Die Strecke unterhalb der Calzada Romana erschien mir als  Weg der „Ents“ (Baumwesen aus dem „Herrn der Ringe“ von Tolkien): Zahlreiche knorrige Nussbäume bewachten den Weg und die Römerstraße. Sie schliefen, konnten aber jederzeit erwachen, träumten von der Zeit, als die Hänge und der Wald ihnen allein gehört hatte. Es begann im Halbdunkel gruselig zu werden. Die Frau, die ihre Hunde ausführte, lachte wohl klammheimlich über uns. Kaum waren wir im Hotel zurück, fiel uns der Himmel auf dem Kopf und es begann zu regnen.

Ein Abend im Alto de las Estazadas

Wir konnten den dunklen Wolken, den Ents und den Geistern der Legionäre rechtzeitig entkommen: Wir setzten uns in die Bar des Hotels, spielten „Siedler von Catan“ und bekamen von der alten Frau, die am Abend den Dienst an der Hotelbar übernahm, eine riesige Platte mit Wurst, Käse und Schinken hingestellt. Mit zwei anderen Gästen stritt sie herum, weil es ihr zu aufwändig war, noch ein Omelett (Tortilla francesa) zu machen. Danach stritten die beiden Herren, ein Alter und ein Junger, Onkel und Neffe oder Vater und Sohn,  miteinander weiter herum: Es ging um die Finanzschwierigkeiten Spaniens, die Unzufriedenheit im Land und um die Demokratie. Am Tresen waren inzwischen zwei junge Männer erschienen, die sich Gin und Limonade mischen ließen. Aber auch da gab es Probleme: Der Gin war alle und der Korpulentere der beiden fühlte sich von der alten Frau benachteiligt. Hastdunichtgesehen verschwand er trotz des Protestes der Alten in der Küche und kam mit einer vollen Flasche Gin wieder. Er goss sich damit das Glas voll. So ging es zu am Abend auf dem Alto de las Estazadas, während von draußen der Regen gegen die Fenster trommelte.

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