König Juan Carlos und König Fußball danken ab!

Juni 2014 – Barcelona hat genug von der Monarchie!

Es geht um zwei Könige in Spanien, die am gestrigen Tag historisch gescheitert sind und abgedankt haben: Juan Carlos und der Fußball der span. Nationalmannschaft. Was für ein Zufall! Beide waren die letzte Klammer, die das Land noch zusammengehalten haben. Am 9. November wollen die Katalanen über die Unabhängigkeit abstimmen. Es steht zu befürchten, dass das Land auseinanderbricht.

Junger Mann mit Krone gesucht

Es war in den frühen Achziger Jahren, als ich das erste Mal ein Portrait des spanischen Königs Juan Carlos in der Herberge unserer Schülergruppe sah. Der junge Mann mit dem Krönchen über dem Haupt und die Monarchie an sich waren uns fremd. Genauso fremd übrigens wie den jungen Leuten, mit denen wir uns angefreundet hatten. Ich blieb Spanien seitdem verbunden, auch wenn ich das gar nicht vorgehabt habe. Así es la vida, so ist das Leben!

Dieser König hat gestern (18. Juni 2014) off. abgedankt, nachdem er das am 2. Juni bereits angekündigt hatte. Was hat dieser König für sein Land getan? Und diese Frage ist neben der historischen Leistung eines Staatsoberhauptes im 20./21. Jahrhundert von entscheidener Wichtigkeit.

Lebemann oder Staatsoberhaupt?

Ich habe Juan Carlos immer für einen Lebemann gehalten, der zu bequem war, die Rolle als monarchischer Diktator, die ihm von seinem Ziehvater Franco zugedacht war, anzunehmen. Großes Gesten, ja gerne, aber Verantwortung lieber nicht, das war sein Motto und verteilte die Last lieber auf die Schultern der Berufspolitiker. Er führte die Demokratie ein. Neben der Verhinderung des Tejero-Aufstandes (23-F) ist das die historische Leistung des Königs Juan Carlos. Was aber hat er nicht getan?

  • Nicht einen Moment hat er sich bemüht, die Franco-Diktatur in irgendeiner Weise aufzuarbeiten und damit dem Land eine demokratische Perspektive zu geben. Wenn jetzt Massen in Spanien die dritte Republik mit den Fahnen der zweiten Republik fordern, ist das ein deutliches Zeichen, dass wir politisch wieder in der Zeit vor dem Bürgerkrieg angelangt sind.
  • Er hat es nicht geschafft, allen Spaniern ein König zu sein. Vielleicht hätte ein modernes „Reisekönigtum“ dafür die Lösung sein können. Wann ist der König z.B. in seinem Anwesen in Barcelona? Antwort: Niemals. Niemals ist zu wenig. Ein König muss einigend und modern sein. Dieser König hat den Regionalismo einfach ignoriert.
  • Korruption und politischer Stillstand sind seit Jahrzehnten das Kennzeichen der spanischen Politikerkaste. Probleme wie Jugendarbeitslosigkeit oder fehlender sozialer Wohnungsbau (das span. Eigentumswohnungssystem) sind ignoriert worden. Der König war Teil des Systems, nie moralische Instanz. Dazu war er nicht fähig oder wollte es nicht.
  • Und Europa? Spanien war und ist massiver Nutznießer der europäischen Einigung. König Juan Carlos hatte damit nichts zu tun. Hat er es überhaupt mitbekommen?

Inzwischen hat sich vielfältig bestätigt, dass meine Auffassung vom „Lebemann Juan Carlos“ tatsächlich richtig war. Er war ein Übergangskönig, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er hätte die Chance gehabt, ein moderner und großer König zu sein, aber das Gestalten lag ihm nicht am Herzen.  Am Ende unterzeichnete er seine Abdankung und Spanien schied aus der Fußball-WM aus. Beide Könige aus Mangel an neuem Gestaltungswillen.

Das Volk wird wieder nicht gefragt

Der neue König Felipe VI.  legt sofort einen Fehlstart hin. Zwar sind  49 % der Spanier laut der Zeitung El Pais für eine Beibehaltung der Monarchie mit Felipe, aber laut der Zeitung sind 65 % der Spanier dafür, dass es darüber ein Ref. geben sollte. Es soll nicht die Monarchie sich selbst einsetzen. Es sollen nicht Politiker darüber bestimmen. Das Volk möchte sich den Monarchen aussuchen. Darüber hat sich Felipe gestern und heute hinweg gesetzt. Das schafft kein neues Vertrauen, sondern wird besonders die Regionen in ihren Willen bestärken, dass es genug ist mit den Borbonen. Felipe stellt unmißverständlich klar, ihr seid mir piepegal. Die Katalanen zeigen ihm bald den Stinkefinger für diese Ignoranz .

Ab in die Kabine Felipe und tschüss!

Da es neuerdings modern ist, das Kanzlerinnen und gekrönte Häupter die Fußballer in der Kabine besuchen, sollte Felipe das beim letzten Spiel der Spanier gegen Australien tun (letzteren drücke ich die Daumen, der roten Bestie den Gnadenschuss zu verpassen!) . Und danach sollten alle zusammen abtreten. Borbonen und Bestien in die Wüste. Eure Zeit ist gestern zu einem Ende gekommen. Es ist Zeit für einen Neuanfang, dafür braucht es neue Politiker und Fußballer und keinen König. König sind def. etwas für die Geschichtsbücher. Zugeklappt und fertig!

Euer To.

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