03/24/14

Barcelona

Notizen aus einer unbekannten Stadt

  1. Den Terminkalender habe ich auf dem Schreibtisch vergessen. Ich konnte schon loslassen, bevor das Flugschiff auf die Küste zusegelte. Zuerst einen Überblick verschaffen: Ich habe den nächsten Berg bestiegen, die Tore der Festung standen weit offen. Die unbekannte Stadt dehnt sich bis zur nächsten Bergkette aus. Früher war das Tal ein einziger Garten und die Menschen waren eingesperrt innerhalb ihrer Stadtmauer. Heute sind die Kanonen eingerostet vom Frieden. Ich stehe vor einem Immobilienbüro, kaufe im Geiste eine Stadtwohnung und beantrage die Staatsangehörigkeit eines noch nicht gegründeten neuen Landes. Wenn im Hof die Springbrunnen plätschern und Orangen wachsen, komme ich wohl zur Ruhe. Doch dieses Land ist ein Land voller Obdachlose und Jachtbesitzer, ganz eng nebeneinander, arm und reich, letztere können erfolgreich bei der Eu betteln, die Ersterwähnten verzweifeln in den Fußgängerzonen. Ich bin zu faul oder zu ängstlich, eine Münze aus der Tasche zu kramen. Mit diesem Text werde ich ohnehin nicht Stadtschreiber der unbekannten Stadt. An der nächsten Ecke telefoniert der Minotaurus mit dem Museum des Malers. Er zwinkert mir zu. Nicht umsonst sind wir bereits jahrelang gute Freunde. Er fragt: „Gehen wir zu den Huren heute Nacht?“ Ich verneine, denn längst bin ich mit der Schlangenfrau verheiratet. Ich frage mich, ob ich tote Zwillingsbrüder besuchen soll. Immerhin wartet eine Frühlingsnacht auf mich.
  2. Ich kann nicht verstehen, noch akzeptieren, das alles in dieser Welt auf Blut und Hass gegründet sein soll. Ich mag es auch nicht in der Literatur erleiden. Besonders nicht, wenn es auf Lüge und konstruierten Klischees aufgebaut ist. So habe ich die „Kathedrale des Meeres“ bereits nach wenigen Seiten weggelegt. Auch und vielleicht deswegen, weil ich weiß, dass Literatur Lüge ist und dahinter Absichten stecken können. Wer kennt nicht die vielen Berichte von den Eroberungszügen der Römer, deren tapfere Gegner sich der drohenden Niederlage dadurch entzogen, dass sie mit Kind, Frau und Mann in den Selbstmord flüchteten?! Denn wie tapfer müssen die Römer sein, wenn sie solch tapferes und ungebändigtes Gezücht bezwingen konnten! Doch das ist schlechte Literatur, wenn die Absicht sogleich erkannt, die Lüge ins Gesicht springt wie der Teufel aus der Kiste, womöglich sogar nationalistischer Humbug, im milderen Falle einfach Kitsch ist.Die wirkliche Kathedrale des Meeres sind die Schiffshallen der unbekannten Stadt. In Venedig sagen sie Arsenal dazu. Auf den Schiffen, die diese Kathedrale verließen, wurde nicht gebetet, sondern gerudert! Um auf die Galeere zu kommen, bedurfte es nicht viel: Z.B. Zigeuner zu sein und keine Arbeit zu haben. Auch bei gotteslästerlichen Tun jeglicher Art war die Galeere eine angemessene Strafe. Da begann eine ganz eigene Reise für den Delinquenten, deren Endstation der Tod war. Die Madonna des Meeres, vielfältig vergöttert und bei besonderen Gelegenheiten über das Meer gefahren, hilft auch nicht weiter und rettet keinesfalls die Verzweifeltesten der Verzweifelten. Sie wurde von der Kirche mit Sternenmänteln und Goldheiligscheinen bestochen.

     Ich besteige heute mein eigenes Schiff, beziehe mein Bett. Wie wäre es mit einen Segeltörn über das Mare Nostrum? Piraten- und Türkenfrei nun, keine Galeere ist mehr notwendig, aber voll mit den Nußschalen der Ärmsten. Wie segelt es sich über ein Meer voller Leichen? Wer es überlebt hat, hat nun bester Aussichten auf eine Karriere als Obdachloser, Drogendealer oder Kleinkrimineller. Was schert mich das, denn wie schön schaukelt mein Schiff in der abendlichen Dünung des Hafens!

  3. Überall in dieser unbekannten stadt schieben sie ihre Einkaufswagen durch die Straßen und sammeln zusammen, was in Mülltonnen oder beim Sperrmüll finden können. Besonders Altmetall ist begehrt, aber auch Kleidungsstücke oder was man sonst zum täglichen Leben Brauchbares findet, landet im Korb des Wagens. Einer dieser Menschen hatte den Einkaufswagen voller Bücher, als sammele er die Lebenslügen der Stadt auf. Ich habe leider mein eigenes Büchlein nicht dabei gehabt, sonst hätte ich es dazu gelegt. So trinke ich Cidre von der Nordküste, während der Einkaufswagen vorbeirumpelt…
  4. Was bei uns Grieche oder Araber oder Portugiese ist, das ist hier eher regional: Die „vom Meer“ oder „die aus dem Gebirge“ oder „die von der Hochebene“. So als läge die unbekannte Stadt in einem anderen Land, fern von anderen Regionen dieses Staates. Beliebt sind kleine Häppchen zwischendurch, die bei den Leuten „aus dem Gebirge“ natürlich ganz anders heißen als bei denen „vom Meer“: Einmal Happen, dort Häppchen, und wiederum woanders Speisele, die Gerichte selbst sind sich dagegen ähnlich mit kleinen regionalen Variationen selbstverständlich. Was aber Mode geworden zu sein scheint, das können wir nach einem kleinen Reihenversuch feststellen, wobei aber immer noch im Sinne der Angeklagten eine kleine Zufallsmöglichkeit übrigbleibt, ist folgendes:Bestellst du 10 Häppchen für eine kleine Gruppe, bekommst du neun. Dieses Verfahren wird erleichtert, weil einige Häppchen warm, andere kalt serviert werden, also nicht zur gleichen Zeit auf den Tisch kommen. Es werden aber alle 10 berechnet! Beim ersten Mal reklamierten wir amüsierte und glaubten an Überarbeitung. Es war eine Menge los. Beim zweiten Mal runzelten wir die Stirn, reklamierten und nahmen ein Versehen an. Beim Reklamieren gibt es keine Probleme und kein langes Zetern. Beim dritten Mal verfiel ich in die Sprache meiner Jugend und rief den Kellner durch den ganzen Saal herbei und bekam nach vielen Entschuldigungen doch noch das 10 Häppchen, Wurst in Cidre gebraten. Ich gebe es zu, darauf hatte ich mich besonders gefreut.Eine Kennerin der Leute aus dem fernen Osten in unserer Gruppe hatte folgende Erklärung. Durch die Zunahme der Touristen aus jener Gegend, die in Massen die Straßen und Sehenswürdigkeiten bestaunen, kam durch Zufall oder Absicht das 10 Häppchen-Verfahren auf, denn jene so höflich, so die Kennerin, zu bezahlen, egal, was auf den Tisch kommt oder auch nicht. Eine mögliche Erklärung, wie gesagt.Wir dagegen werden langsam verstimmt und ich hoffe, ich muß nicht zu oft in die Sprache meiner Jugend zurückfallen, die, so hat man mir versichert, inzwischen als sehr fordernd und unhöflich aufgefaßt wird, um 10 Häppchen zu erhalten. Ach, die gute alte Zeit, denke ich. Das denkt wohl auch der alte Herr im Rollstuhl, den die Verwandten vor die Tür geschoben haben, damit er rauchen kann. Abgestellt. So ist das mit den Alten.Beim Häppchen-Vertilgen in der unbekannten Stadt, Isí

    P.S.: Gestern 10 Häppchen erhalten und 10 Häppchen bezahlt, ohne Reklamation, aber diese Häppchen waren von Leuten „von den Inseln“

  5. Zugegeben, ich war lange nicht mehr in einem Gottesdienst. Gotteshäuser besuche ich dagegen öfter. Und ich spreche auch mit Gott, Engeln und Elfen. Beten ist ein Gespräch, manchmal auch ein Streit.Heute gibt es nur Einigkeit, denn es ist der Gott des Fußballs dran. Denn der Verein der unbekannten Stadt ist der erfolgreichst Club der Welt, nicht nur im Fußball, auch im Handball, im Baskettball, und, und, und… Es gibt kein Jahr, in dem nicht ein Titel oder Pokal geholt wird. Sie sind die sportliche Opposition gegen Generäle oder Könige. Auch wenn das heißt, das ein Clubpräsident erschossen wird. Das Stadion wird irgendwann in einem rotgelben Meer schwimmen, und irgendwann, das heißt morgen!Das Stadion hier nennt sich „Neues Feld“ und das ist das absolute Heiligtum des Vereins. Vorher haben wir andächtig ein Museum durchquert, Vitrinen voller Pokale bestaunt. Wir erprobten an multimedialen Tischen alle Funktionen, sahen unsterbliche Tore, heutige Erfolgstrainer als knochenharte Verteidiger traten auf. Und immer wieder Bilder vom Mesias dieses Heiligtums, dem Gandalf des Fußballs, der Tore aus dem Nichts zaubert und gegelte königliche Balrogs ins Belanglose dribbelt.Wir stehen jetzt hier auf der Reportertribühne und sind andächtig. Ist das alles nun sakral oder ein goldenes Kalb, gefüttert mit Nationalismus, Lebensfreude und viel, viel Geld? Die Antwort wartet auf uns schon am Ausgang. Auf drei Etagen gibt es Andenken gegen Bares. Blau heißt auch hier blau.
  6. Alles hat in der unbekannten Stadt Tradition, sogar das Vergnügen. Ich greife zwei Beispiele heraus. Das Erstere führt uns in die Zeiten der Weltausstellung 1926. Ein Überbleibsel dieses Ereignisses ist ein Dorf mit Nachbauten alter Häuser aus allen Landesteilen. So haben diese mehr oder weniger gelungenen Rekonstruktionen bereits ein beachtliches Alter auf dem Rücken. Wir reisen von Nord nach Süd und wieder zurück. Überall besuchen wir die Kunsthandwerker in den Häusern, die sich angesichts der winterlichen Zeit noch über Besuche freuen können. Kaum zu glauben, aber es war sogar geschmackvolles und sehr viel Künstlerisches dabei. Höhepunkt war ein frühromanisches Kloster, zusammengepuzzelt aus 4 vorhandenen Klostern. Sicher, das alles ist ein „Disneyland“, aber immerhin ein sehr geschmackvolles. Nachdem wir die weißen Häuser des Südens durchquert hatten, gönnten wir uns in einer Seitengasse eine heiße Schokolade, so gehaltvoll, das sich fast das Abendbrot erübrigt hat.Ganz anders der einhundertjährige Vergnügungspark auf der höchsten Erhebung am Rande der unbekannten Stadt. Einst stand hier nur eine kleine Kapelle, zu der gepilgert wurde, daraus ergab sich wohl der Hang zum Zusammensein und Vergnügung. Heute wird der Berg von einer gewaltigen Neo-Wasweißich-Kirche gekrönt, in die die alte Kapelle am Rand eingebaut wurde. Der Rest ist Vergnügungspark. Hier gibt es alles, was in einem Vergnügungspark gehört: Karussells, Bahnen, Automaten… Darüber dreht ein Aussichtsflieger seine Runden und das bereits seit 1929! Es ist eine Mischung aus Neu und Nostalgie, überhöht von der kitschigen Kirche und dem Jesus darauf wie ein Zuckerhütchen. Selbst die Bahn hinauf atmet asthmatisch.
  7. Europa, und damit schließen meine Notizen für dieses Mal, das ist wie ein Abendessen in der unbekannten Stadt.Es saßen zusammen: Eine bekannte Performancekünstlerin aus der Stadt, ihr kleiner Sohn, ein bretonischer Musiker, normalerweise in Paris lebend, eine deutsche Studentin, ein deutscher Schüler, eine Ärztin und ein unbekannter Schriftsteller aus dem Nará-Tal. Es gab eine örtliche Abendbrotzeit, eine ortsübliche Speisenfolge bestehend aus Vorspeise, 2. Speise und Nachtisch, dazu Wein aus Frankreich und von den Feldern der Borgia. Die Vorspeise war französisch, das Hauptgericht und der Nachtisch deutsch. Gemischt wurden die Sprachen Englisch, Spanisch und Deutsch. Die Stadtsprache wurde nicht verwendet. Der Sohn der Tänzerin hatte einen deutschen Vater und verwendete alle Sprachen, wie es ihm gefiel. Das war noch nicht das Abschiedsessen in der unbekannten Stadt, die so viele Gesichter hat, die in Europa liegt und doch in einem unbekannten Land am Rande der Zeit…

Euer To.

 

 

 

03/10/14

Von Lavendel Weißpfote

der 2006 als kleines Häschen zu uns kam und uns seitdem begleitet hat. Er ist am Freitag, 7. März 2014,  in den Hasenhimmel aufgestiegen.

100_0933

Lavendel Weißpfote, als er bei uns einzog …

Ich hätte es ihm gegönnt, dass er in diesem warmen Vorfrühling noch einmal auf dem Rasen grasen kann, aber es sollte nicht sein.  Es ging ihm schon länger nicht gut und wir haben damit gerechnet. Dennoch ist es traurig. Unser Kater Lasse liegt jetzt an der Stelle, an der der Hasenkäfig war, und trauert. Er hat gerne Lavendel geärgert, aber er hat ihn auch bewacht, wenn er draußen war. Uns allen wird er fehlen. Mache es gut, Lavendel Weißpfote ! Du wirst uns fehlen …

11/4/13

Frühstück in Barcelona

100_4209Dieses Frühstücksfoto hat uns Marie am Wochenende zugeschickt. So schaut also Frühstück in Barcelona aus. Guten Appetit! Die Besitzerin dieses Tisches hat an der Modeschule viel zu tun und dementsprechend viel zu tun. So sind wir froh über die moderne Kommunikation und das wir auf diese Weise fast täglich ein Lebenszeichen und etwas Schönes von ihr hören.

Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit nutzen und hier noch einige Fotos von unserem Geburtstag einstellen. Natürlich nur von uns, dafür bitte ich um Verständnis, denn wer bei uns zu Gast war, geht nur uns was an und die Persönlichkeitsrechte der Gäste bleiben selbstverständlich gewahrt. Dafür bitte ich um Verständnis.

14087 privat 131003 kreuzfeldt geburtstag

Gemeinsam 100 Jahre (2x 50)

14239 privat 131003 kreuzfeldt geburtstag

und mit dem Schiff in den Sonnenuntergang

14104 privat 131003 kreuzfeldt geburtstag

… es gab genug zu trinken

 

14020 privat 131003 kreuzfeldt geburtstag

eine gelungene Feier auf der Saale

bis auf der Frühstücksfotos alle Fotos von Janos Stekovics, ganz herzlichen Dank.

Euer To.

10/4/13

Nun sind wir 100!

Auf unserer Geburtstagsschifffahrt: Sonnenuntergang kurz vor den Brachwitzer Alpen

Annette hatte im August Geburtstag und ich im September.  Zusammen sind wir nun 100. (2x 50). Gefeiert haben wir aber erst jetzt:

Zuerst haben wir mit der Familie sehr gut und reichhaltig im Schloss Auerstedt gegessen und dort auch übernachtet. Herr Reinhardt hat uns wie schon so oft kulinarisch wunderbar verwöhnt und Frau Reinhardt hat alles Mögliche getan, um uns einen wundervollen Tag und Abend im Schloss Auerstedt zu bereiten. Alle waren satt und zufrieden und durch den großen Platz im Lamu-Haus konnten wir auch Werners Programmpunkt ermöglichen und schöne Fotos von uns mit dem Beamer anschauen. Allen ganz herzlichen Dank. Auch für die schöne Holzbank für Bad Sulza und das Wochenende, das wir bald in Wörlitz verbringen dürfen.

Mit unseren Freunden in Halle, jedenfalls so vielen, wie auf das Schiff passten, haben wir eine dreistündige Saalefahrt bis zu den Brachwitzer Alpen und wieder zurück, gemacht. Es gab dabei Essen und Trinken dabei und allen hat es gut gefallen. „Es war wirklich eine besondere Idee“, hat mir z.B. Sabine O.  schon geschrieben und ich kann das Lob gleich an die beste aller Ehefrauen weiterreichen, die mit mir 100 geworden ist. Es war wirklich eine wundervolle Idee und ich bin noch ganz erfüllt davon. Den schönen Abschluss der Fahrt bildet eine kleine Ehrenrunde an der beleuchteten Burg Giebichenstein vorbei bis zum Gut Gimritz und dann war es leider schon vorbei…

Ein Tisch voller Blumen und Geschenke, herz

Aber die Feierei ging in „Crossfield Hall“ natürlich noch weiter. Da haben wir die vielen lieben Geschenke ausgepackt und angeschaut. Und die vielen schönen Blumen!!! Allen ganz, ganz lieben und herzlichen Dank!

05/18/13

Was treiben wir so Pfingsten ?

Wir waren mächtig fleissig. Beim Wochenendhaus in Thüringen war das Vordach dran:

100_6224
und nach 10 Jahren Gut Gimritz war es Zeit, in einigen Räumen wenigstens ein bißchen neue Farbe reinzubringen. Wir haben mit der Küche begonnen:

100_6237

sieht doch schon ganz schick aus. Der neue Anstrich betont schön die Gewölbe:

100_6232

und die Gewölbebögen:
100_6235

Natürlich hatten wir trotzdem Muße, auf dem Balkon zu sitzen und auf den Fluß zu schauen. Selbstverständlich sind wir einmal um unsere Insel gepaddelt. Inzwischen wird an der Eissporthalle die neue Brücke gebaut. In der Nacht kam der Regen. Ganz allein kann nun auf der hinter Regenschleiern verborgenen Flussinsel spazieren gegangen werden.

So wie es euer To. gemacht hat.

09/26/12

Sommer bis Spätsommer

Ich bin lange nicht mehr zum blogen gekommen. Manche fragen sich bestimmt, ob wir überhaupt noch am Fluss leben. Ja, wir leben noch! Aber der Sommer war so belebt, dass ich kaum zum Schreiben gekommen bin: Annette hatte viel in der Praxis zu tun, ich musste meine Bibliothek einpacken, danach sind wir gleich auf die Turmhügelburg Lütjenburg gefahren. Es folgte der achtzigste Geburtstag von Onkel Werner und unsere Reise in die Slowakei.

Slowakei

Dann kam auch die Goldene Hochzeit von Evamaria und Gerhard, die im „Stein“ in Wörlitz gefeiert wurde. Ein tolles Fest mit vielen Begegnungen und einem gewaltigen Kulturprogramm. Besonders schön waren die Gespräche mit Marcia und Matthias und die Führungen im Wörlitzer Gartenreich.

Aber die wichtigste Neuigkeit ist gleichzeitig die traurigste: Marie ist wieder unterwegs und hat ihr Zuhause wieder einmal für 10 Monate verlassen, um in Nordspanien in einem Waldkindergarten zu arbeiten. Sie führt wieder einen Blog, der hier zu finden ist:

Maries Blog

Spätsommer ist Schreibzeit. Ich komme nun bestimmt mehr zum blogen.

Euer Torsten

Noch ein Bild aus Maries Blog, das mir gut gefällt, Ausdruck des Spätsommers:

 

03/14/12

20 Jahre

20 Jahre

 

Wie schnell die Zeit vergangen ist! Aber es ist auch der Beweis, dass Liebe und Ehe dauerhaft sein können. Das haben wir durch den gemeinsamen Langzeitversuch seit dem 13. März 1992 belegt. Wir können jedenfalls sehr dankbar sein. Besonders danken wir den, der uns schuf, gedankt wird auch dem blanken Hans, den Nordsee-Elfen, einem Café, in das mit nicht mit ungeputzten Schuhen herein kommt, den Buchhändlerehepaar Scheller, die mich haben gehen lassen und vielen, vielen mehr.

Aus diesem Anlaß habe ich beim Leseabend „Die Liebenden im Guggenheimmuseum“ von Isabell Allende vorgelesen. Eine wundervolle und humorvolle Erzählung über zwei Liebende, die sich vorher nie begegneten und im Museum ihr Liebesglück fanden, das noch nicht einmal der strenge Polizeiinspektor, der ihr Vergehen zu untersuchen hat, schlechtheißen kann. Danke, Frau Allende, für dieses Stück Prosa, das uns alle sehr erfreut hat.

Euer To.

02/17/12

Riesencalamare, Atlantikbrise 14

Astur14a

An Bord der Nautilus auf der Suche nach den Riesenkalamaren

20. Reisetag:
Luarca, durch das wir auf dem Weg nach Navia kamen, hatte sich am Ende als netter Ort entpuppt: Die kleine Stadt ist von beiden Seiten von Felsen eng umschlossen. Der Bebauung sind enge Grenzen gesetzt. Zudem zieht sich ein Bach durch den Ort bis zum Hafenbecken. Der Ort Luarca folgt gehorsam den Windungen. Über all dem erstrecken sich die Bögen des Viadukts der Eisenbahnstrecke Gijon nach El Ferrol. Gerade als wir ankamen, begann im Ort ein Kunsthandwerkermarkt und eine Banda von Dudelsackspielern zog mit der asturischen Fahne voran durch den Ort.
Wir waren nicht zur Besichtigung hier, sondern auf der Spur der Riesenkalamare, von denen wir im Leuchtturm auf dem Cabo Peña gehört hatten und die hier in der Tiefseeschlucht von Aviles leben. Lange ist die Existenz von solch meterlangen Kalamaren (die Weibchen mit Fangarmen von einer Länge bis 22 Meter lang) bezweifelt worden. Allerdings fanden sich in den Mägen von Pottwalen, deren bevorzugte Nahrung große Kalamare sind, die Überreste von gewaltigen Tintenfischen. Es wurden Tierteile oder ganze Teile angeschwemmt. Im Jahr 2001 begann in Spanien ein Forschungs-unternehmen, den Riesenkalamaren auf die Spur zu kommen, ihre Existenz wird seitdem nicht mehr bezweifelt. Zu viele Beweisstücke liegen seitdem vor. In der „Aula del Mar“ in Luarca sind teilweise die Forschungsergebnisse zu besichtigen. Natürlich sind hier keine lebendigen Tiere zu bestaunen, aber die meterlangen Präparate sind auch beeindruckend und ein Besuch ist deswegen dringend angeraten! Schautafeln sind allerdings rein auf Spanisch. Leider wird auf internationalen Besuch noch keine Rücksicht genommen. Das ist schade! Ja, und leider kann ich auch keine Beweisfotos vorlegen. Die riesigen Präparate ließen sich nicht aufs Foto bannen. Hier aber jemand, der es besser konnte… klick

Astur14b

Fischerboote dieser Größe fingen Riesencalamare ein

Luarca

Ein Blick auf Hafen und Stadt Luarca

02/6/12

Zurück in die Geburtsstadt

Lübeck

Das Holstentor, wie es jeder kennt. Im Hintergrund rechts St. Petri, sowie alte Speichergebäude und Giebelhäuser

… Lübeck. Eine sehr bezaubernde Freundin fragte mich gerade via Mail: „Was macht ihr denn in Lübeck?“ Ich möchte es ihr kurz beantworten: Ich bin in der Hansestadt an der Ostsee geboren und aufgewachsen. Und befinde mich damit in guter Gesellschaft: August Hermann Francke, Friedrich Overbeck, die Brüder Mann und Erich Mühsam sind hier geboren und aufgewachsen. Nicht dass ich mich mit diesen berühmten Herren vergleichen möchte. Aber ich teile nun mal das Schicksal mit ihnen, die pitoreske Stadt verlassen zu haben, um irgendwo anders auf eigenen Füßen zu stehen.

Wir sind in diesen Winterferien also nicht nach Winderatt und Flensburg gefahren, sondern nach Lübeck. Mitten in der Altstadt, in einem „Rosenruine“ genannten Gängehaus in der Fleischhauerstraße haben wir uns für eine Woche einquartiert. Das Vorderhaus  ist ein Giebelhaus von 1285. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Wir werden trotz der Kälte durch die alte Hansestadt spazierengehen und  die Museen der Stadt Lübeck besichtigen. Einige davon jedenfalls!

Es ist eine Reise in die Vergangenheit. An keinem Ort der Welt wie am Geburtsort ist das Gefühl so stark, dass man alt geworden ist. Ich hätte nicht zurückkehren sollen, auch wenn mich die Kinder überredet haben.  Die schönen Mädchen der Vergangenheit, sind heute grauhaarige Frauen an der Supermarktkasse, mit der Zigarette an der Straßenecke und dickvermummt auf der Straße. Das Schlimmste: Der kleine Buchladen, in dem mir Frau Roggenkamp gute Literatur empfohlen hat, ist auch nicht mehr.

Für Heute, der To.

Lübeck

Blick von einer (modernen) Travebrücke auf St. Petri (rechts) und St. Marien

01/29/12

Spätsommer an der Ría von Navia, Atlantikbrise 13

Casona Naviega

Balkonblick von der Casona Naviega auf die Ría von Navia

18. bis 19. Reisetag:
Wein, leckere, in Knoblauch angebratene Chipirones, das war der Abschied von der Casa Rural. Der Leuchtturm leuchtete ein letztes Mal für uns. Wir verabschiedeten uns von dem herrlichen Atlantikblick, wir hatten ein letztes milchig-silbriges Morgenlicht. Es ging weiter.
Wir kamen jetzt in eine Gegend von Asturien gekommen, die mir vorher unbekannt war. Wir fuhren  auf der A8 an den Industrierevieren von Gijon und Aviles vorbei und danach nach Westen, immer nach Westen. Zuerst gab es noch einige kleine touristisch erschlossene Orte und kleine Strände, die wir ausmachen konnten, als wir die Wahnwitzkonstrukte der spanischen Viadukte überquerten, aber plötzlich gab es nur noch Wald, Berge und Atlantik. Die Stadt Luarca kam als nächstes, ein enger Ort, den wir bald verließen. Wir reisten noch ein Stück weiter nach Navia und bogen in die Berge ein, um uns ein letztes Quartier zu suchen. Hinter dem Castro von Coaña gab es nur noch die Bergstraße, uns wunderschön über das Tal von Navia erhebend. Beim nächsten Castro unter uns direkt an der Straße gelegen, machten wir eine Pause und kehrten nach Navia um. Direkt in der ruhigen Villengegend am Ortseingang fanden wir ein kleines Hotel, die „Casona Naviega“. Marie war überglücklich, das wir dort zwei Doppelzimmer bekamen.

Astur13b

Die wilde Küste auf dem Weg nach Navia

 Castrokultur

Asturische Berglandschaft mit dem freigelegten Castro de Pendia

Die „Casona Naviega“

Die „Casona Naviega“, mit Blick auf die Ría, war einst eine Stadtvilla an der Ría gewesen. Zwei junge Leute, beide knapp über 30, hatten sie liebevoll und stilsicher zu einem Hotel ausgebaut. Alle Zimmer waren mit viel Liebe und voller Detailfreude eingerichtet. Was es da alles zu entdecken gab! Selbst Schuhputzzeug war im Schrank versteckt. Und alles mögliche mehr! Ob diese Liebe zum Detail und diese außergewöhnliche Anstrengung es allen schön zu machen auf die Dauer anhält? Wir wollen es hoffen und wünschen den beiden sehr viel Kraft.

Casona Naviega

In der Casona Naviega

Casona Naviega2

In der Casona Naviega

Der Ort Navia selbst schwankt zwischen Schönheit und Verfall, ein mondäner Badeort wie Ribedesella war es nie, eher eine Sommerfrische für die Arbeiter in den asturischen Kohlegruben. Navia mit seiner Umgebung versuchen sich im Moment mit dem Konzept des Parque Historico de Navia (Historischer Park von Navia) ein neues touristisches Vermarktungskonzept zu geben. Der Ort selbst liegt in einer schönen, sehr atlantisch geprägten Gegend, überschattet von dem gewaltigen Straßenviadukt und der Fabrik im Hinterland.
Navia ist ebenfalls eine Gründung von Alfonso dem Weisen, den wir bereits erwähnt haben. Der Charme der engen Gasse hat sich bis heute im Innenstadtbereich erhalten. Es machte Spaß, dort herumzuschlendern. Es war weniger touristisch, einfach eine normale Stadt mit Geschäften zum Einkaufen und für schöne Mitbringsel und skurrilen Trödelläden, vollgeramscht mit Büchern, Haushaltgegenständen, Orden, Büsten etc. z.T. eher Müll.
Unser kleines niedliches Hotel hatte kein Restaurant, so gingen ins große Nachbarhotel essen. Die Menü-Karte hing draußen vor der Tür. Der Comedor atmete den Neubau-Charme der siebziger Jahre, aber der Kellner war nett, ein kleiner Pechvogel, und das Essen war sehr gut und günstig. Wir gingen öfters dorthin und hinterher konnte man sich noch einen Moment an den Springbrunnen im parkähnlichen „Vorgarten“ setzen.

Ría de Navia

Ría de Navia

Navia

Abendstimmung in Navia