Archive for the ‘Ferien’ Category

Asturische Identität, Atlantikbrise 5

Montag, September 5th, 2011

Unsere Zeit in Camango ist vorbei. Unser kleiner Abschiedsspaziergang führte uns bis in die Sidraría in Melurda zum Sidratrinken. Während wir in der Casa Pachu sitzen und auf den Sidra warten, denke ich darüber nach, was denn unbedingt zur asturischen Identität gehört:

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  1. Das „Cruz de la Victoria“, wir haben es bereits erwähnt. Es ist hinten am Heck jedes asturischen Autos deutlich zu erkennen. Ob ein großes oder kleines Kreuz, damit gibt sich der Asturer auch als Autofahrer als Asturer zu erkennen.
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  3. Der Kornspeicher, der vor jedes halbwegs anständige asturische Haus, egal ob Wohnhaus, Hotel oder Wochenendhaus, gehört, ist natürlich unerlässlich für das asturische Selbstverständnis. Der Hórreo oder Kornspeicher ist ein auf vier Säulen aus Stein stehendes Häuschen, in dem Korn oder Maiskolben getrocknet oder gelagert werden. Die Steine, auf denen das Haus ruht, haben weit vorkragende Ränder oder bestehen aus flachen Platten aus Stein, damit Nager nicht in das Häuschen gelangen können, Auch die Treppen zum Häuschen sind so gebaut, dass es Mäuse oder Ratten nicht gelingen sollte, hinein zu kommen. Die meisten Kornspeicher sind zwar pure Dekoration und haben ihren ursprünglichen Zweck längst vergessen, aber der Asturer hängt an seinen Kornspeicher. Die alten werden gepflegt und restauriert und es werden auch neue gebaut. Erkundigen Sie sich bei den ortsansässigen Firmen! In Westasturien sind auch die länglichen, bereits galicisch geprägten Kornspeicher zu sehen. Diese gehören natürlich nicht zur asturischen Identität. Richtig sind nur die annähernd quadratischen Vertreter der Kornspeicherzunft, die asturischen Hórreos!
  4. Hat der Asturer Durst (Sede) trinkt er natürlich nicht aus einer Gebirgsquelle, sondern er öffnet eine Flasche Sidra. Aus großer Höhe wird in ein bauchiges dünnwandiges Glas eingeschenkt, wobei locker ein Viertel einer Flasche auf den Boden oder sonstwohin geht. Erst dann schmeckt der Sidra natural! Wie lange schon Sidra den asturischen Durst löscht, ist schwer zu erfahren. Zum natürlichen asturischen Selbstbewusstsein gehört zu behaupten, dass der beste Apfelwein der Welt seit mindestens anderthalb Jahrtausend aus Asturien kommt! Neuerdings hat es den Touristen oder den Besitzern der Sidrarías nicht mehr gefallen, dass so viel Sidra verschüttet wird, nun gibt es touristentaugliche Eingießer oder sogar elektrische Eingießmaschinen mit albernen Männchen oder Äpfeln. Selbst Asturien hat den Schritt ins 21. Jahrhundert gemacht! Aber man schämt sich schon ein bißchen, Sidra auf Knopfdruck zu bekommen!
  5. Der Vollständigkeit halber ist die Gaita, der asturische Dudelsack zu erwähnen. Zum Glück für die Umwelt ist aber nicht jeder Asturer des Dudelns mächtig. Das ist den Bands, die hier Bandas heißen, vorbehalten oder solchen Weltmusikstars wie Hevia, der sogar den elektronischen Dudelsack entwickelt hat und das noch vor dem elektronischen Sidraeingießer!

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In der Sidra-Kellerei “El Gaitero”

Tagesmenüs …, Atlantikbrise 4

Freitag, August 26th, 2011

… oder vom Essengehen in Asturien*

Wir haben wieder  gut in Nordspanien gegessen, es gab eine Ausnahme und die werde ich nicht diskret verschweigen, sondern ausdrücklich und launisch kommentieren. Außerdem bitte ich Paella und Tapas zu vergessen! Kleine Häppchen gibt es zwar in Nordspanien auch, aber die heißen hier Pintxos/Pinchos und werden üblicherweise am Abend zu Getränken gereicht. Das ist sehr nett, es sei denn, man ist bereits vom Abendessen so satt, dass man es nicht mehr würdigen kann.

Die Küche in Asturien ist, wie in den meisten Gegenden Spaniens, die Städte sind da nicht ausgenommen, rustikal und ländlich. Wenn möglich, sollte in den Restaurants eine gute spanische Errungenschaft in Anspruch genommen werden, die sich Menú del día  nennt. Am Abend heißt es mitunter Menú del Cena oder Menú del Noche, gemeint ist das gleiche! Für einen Festpreis von 9 bis 25 € gibt es ein Zweigängemenü, Getränk dazu (in der Regel eine Flasche Wein, aber im Zuge der Modernisierung wird auch Bier gereicht, während die Kombination Vino y Agua immer mehr verschwindet) und am Ende ein Nachtisch (Postre), evt. sogar noch ein kleiner Kaffee (Expresso, in Spanien Café solo genannt) und natürlich ist gefüllte Brotkorb in der Regel kostenlos dazu gehörig!

In vielen Restaurants ist das Menú mit Preis bereits an der Tür angeschlagen oder man kann es in der Karte ersehen. Für Sprachunkundige oder für unbekannte Gerichte empfehle ich „Kulinarischer Sprachführer Spanien“ von Cornelia Adam. Obwohl recht gut beschlagen, was nordspanische Küche betrifft, haben auch wir dort einige Male nachgeschlagen. Wir wollten auch neue Gerichte kennenlernen! Leider ist dieses handliche und nützliche Werk im Moment vergriffen.

Kehren wir zu unserem Tagesmenü zurück, es kann folgendermaßen aussehen: Der erste Gang besteht aus der „Fabada“, der asturischen Bohnensuppe, mit verschiedenen Würsten und Speck in großen Stücken (darf nicht zu fett sein!). Die „Fabada“ ist der asturische Klassiker und sollte wenigstens einmal bei einem Asturienaufenthalt probiert werden. Als zweiten Gang wählte ich Merluza (Seehecht) a la Cabrales, das heißt Fisch (gekocht oder gebraten) mit einer Sauce aus Käse aus dem Cabrales-Gebirge serviert. Cabrales ist ein Art Schimmelkäse vergleichbar mit dem Rouquefort und wird bis heute in Höhlen im Gebirge zur Reife gebracht. In der traditionellen Küche gehört nur das Brot zum Fisch oder Fleisch dazu. Leider hat die Unsitte der Pommes Frites weite, weite Wellen geschlagen und man kann Ihnen zumindest beim zweiten Gang kaum entgehen. Allerdings haben wir bei einigen Restaurants lobend feststellen können, dass die obligatorischen Kartoffelstäbchen selbstgemacht waren und dementsprechend gut schmeckten. War die Auswahl bei Gang 1 und 2 noch übersichtlich, wird es beim Nachtisch oft schwierig. Obst der Saison, Klassiker wie Natillas (aus Milch, Eigelb und Zucker hergestellt, oft mit Vanillegeschmack) und Flan, Karamelpudding, Kokosflan, Yoghurt, Tortenstücke oder Eis stehen zur Auswahl.
*Läßt sich auch auf andere Gegenden Spaniens übertragen

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Die Sidraría Covadonga unter vollen Segeln, hier hat es geschmeckt

Was wir empfehlen und was nicht

Die Zeiten des gepflegten Comedors, des Essenssaals, in dem man in  gepflegter Kleidung speiste, sind endgültig vorbei. Die spanischen Touristen sitzen wie der „gemeine Mitteleuropäer“ inzwischen gerne draußen, auch gerne an der Straße. Klären wir zunächst, was ist in aller Herrgottsnamen eine Sidraría ? Das ist ein Restaurant, in dem auch Sidra ausgeschenkt wird. Vielleicht hatte es früher einfach die Bedeutung einer Apfelweinkneipe, heute allerdings kann man es allerorten mit einem Restaurant gleichsetzen. Das Thema Sidra würde ich gerne etwas verschieben.

Wirkliche kulinarische Höhepunkt gab es auf unserer Reise nicht, aber das eine oder andere können wir doch empfehlen: In Ribadesella die Sidraría und das Hotel „Covadonga“: Gute Küche, große Auswahl im Menü, zudem gutes Preisleistungsverhältnis. Die Theke als Schiff ist schon alleine einen Besuch wert. Kulinarisch war es das beste Essen auf der Reise innerhalb eines Menüs.

In Las Arenas de Cabrales ist es die Sidrería „La Jueya“, die wir empfehlen. Hier lernte ich den Cabrales-Käse als Sauce kennen! Man muss von der Haupstraße (in der Kurve) eine Treppe hochsteigen und von hinten herein. Hier gibt es gleichbleibend gute Küche und sehr nette und geduldige Bedienung, aber kleinere Auswahl. Dafür sehr günstig.

Wer sich nach Oviedo verirrt, wie meine beiden Damen zum „Shopping“, der sollte „Platero y yo“ aufsuchen. Das Essen ist gut und günstig, die Bedienung sehr lieb und zuvorkommend.

Für guten Kaffee, Kuchen, W-Lan und ein nettes Gespräch abseits der Straße ist in Villaviciosa das Confitería Colón zu besuchen. Asturien bietet im Vergleich zu Restspanien wirklich ausgesprochen gute Torten und Süssspeisen. Hier sind sie zu probieren!

Diese Orte stehen stellvertretend für viele weitere, die wir besuchten und wo wir zufriedenstellend bis gut aßen. Einige werden noch im Bericht erwähnt. Auch wenn es das Essen oft keine kulinarische Offenbarung war, so machte doch die Freundlichkeit und Herzlichkeit des Personals vieles wett. Mitunter konnte man bei dem Preis auch nicht mehr verlangen.

Ganz anders lag der Fall hier: Warnen möchten wir vor “El Congréso de Benjamin” in Villaviciosa, denen wohl der Besuch von Ministerpräsident Zapatero zu Kopf gestiegen ist.

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Hier hat es uns nicht geschmeckt. Die Fabada war viel zu fettig und der Fisch war alt.

Die Bedienung war so freundlich wie die Guardia Civil bei der Festnahme eines Schwerverbrechers. Nahm man an einem Tisch für 6-Personen mit nur vier Personen Platz, wurde man angeschnauzt, als hätte man die Zeche geprellt. Wir hätten gehen sollen. Denn was jetzt kam, war noch viel schlimmer: Die Fabada war fettig, die andere Vorspeise kam  aus der Konserve direkt auf den Teller. Der Fisch war def. vom Vortag und grenzwertig. Selbst mein Nachtisch, Flan, war zusammengefallen, schmeckte aber wenigstens. Wer nun der Meinung war, dann genieße ich wenigstens den Wein, der nicht schlechter war als in anderen Restaurants, hatte sich verrechnet, denn die Kellner-Guardia stand wieder bei Fuß, denn es wollten auch noch andere schlecht essen! Bezahlt und verschwindet, Leute! Drum merke, wo viele Spanier (auch nur Touristen) hinströmen, muss das Essen nicht gut sein. Für mich also die schlechteste Sidraría von ganz Asturien!

 Bis zum nächsten (asturischen) Teil, Euer To.

 

Wandertouren, Atlantikbrise 3

Freitag, August 19th, 2011

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5. u. 6. Reisetag: Ein Besuch im „Turismo“ von Ribadesella sollte auf jeden Fall eingelegt werden, um den aktuellen Wanderführer dort kostenlos zu bekommen. Unter dem Titel „0 – 900: El paraíso del caminante“ (Wandererparadies) schlägt das Fremdenverkehrsamt 15 Wandertouren rund um den Ort Ribadesella vor. Das geht von einem leichten Spaziergang rund um die Stadt bis zu Gebirgstouren in der Umgebung. Von dem Rundwanderweg über Collera, Meluerda, Camangu und den Jakobsweg zurück, habe ich bereits geredet. Bei unserem letzten Ribadesellabesuch habe wir auch die „Mühlentour“ an den Wassermühlen bei Tresmonte vorbei gemacht und können zumindest den Teil an den Mühlen empfehlen. Diesmal wählten wir eine

Klippenwanderung,

im Führer aus dem „Turismo“ ist das die Nr.4, „Ruta de Orientación, mit 7,6 km Länge und einer mittleren Schwierigkeit angegeben. Diese möchte ich sofort auf „leicht“ korrigieren, ein schöner Morgenspaziergang also, locker in zwei Stunden zu schaffen. Wir hatten am Tag zuvor in Toriellu zu Abend gegessen und stellten unseren Seat León auf dem dortigen Parkplatz an der Hauptstraße ab, der zum Teil auch der Gemeinde gehört. Von dort ist durch enge Gassen von Toriellu die „Plaza con fuente“, die Eisenbahnbrücke und damit der Wanderweg gemütlich zu erreichen. Wir sind nun in entgegengesetzter Richtung wie im Führer empfohlen gelaufen, kamen damit aber gut zurecht. Eine andere Möglichkeit ein Auto abzustellen, besteht übrigens, besteht direkt am Picknickplatz oberhalb der kleinen Ría von Guadamía.

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Heidekraut und immer die Berge im Blick, so ist der Weg zu den Klippen, gleich springt ein “Kerkeling” aus dem Gebüsch !

Außerhalb von Toriellu verwandelte sich die Route in einen Karrenweg zwischen Wiesen und Heidekraut, von Zeit zur Zeit gab es auch ein kleines abgezäunte Gärtchen. Plötzlich tauchte vor uns ein „Kerkeling“ auf, der sich wohl verlaufen hatte, denn den Jakobsweg hatten wir bereits hinter uns gelassen. Zwei Eukalyptuswäldchen später traten wir durch ein kleines Pförtchen und die Klippen und der Atlantik lagen vor uns. Die Klippen sind mit Elektrozäunen abgesperrt, denn hier werden direkt am Meer Kühe und Ziegen gehalten. Diese sind harmlos !

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Die Klippen sind erreicht, der vom Meer ausgewaschene Kalkstein sieht aus wie ein alter Knochen eines Drachens

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Kurze Pause, die Beine von den Klippen baumeln lassen …

Dieser Spazierweg am Meer auf den z.T. ausgehöhlten Klippen, die Brücken, Tore und tückische Löcher bilden, auch scharfe Felsenzähne, die dem Meer trotzen, ist urtümlich und beeindruckend und endet oberhalb der Ría von Guadamía.

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Felsentor auf den Klippen

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Der Chef der Klippen

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Hier genossen wir kurz den Ausblick auf den kleinen Badestrand bei Ebbe. Der weitere Weg führt zurück nach Cuerres und danach durch die Straßen des Ortes wieder zurück zum Parkplatz von Toriellu.

 

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Die Playa bei Ebbe

Tosende Brandung

In der Nacht hatte es geregnet, aber wir sind an die Playa de Guadamía gefahren, dorthin wo der gleichnamige Bach sich durch die Klippen einen etwa 500 – 600m langen Einschnitt in die Klippenwand in Richtung Meer gegraben hatte. Es war wie am Vortag Ebbe und wir konnten auf dem Sand bis zum Ausgang der Ría laufen, immer wieder den Zustrom des Baches durchquerend. Dort schäumte die Brandung und tobte. Es war herrlich auf das Meer zu schauen. Das Geräusch der Brandung müsste man in Dosen abfüllen lassen. Es war heute nicht möglich, weit herauszuschwimmen, aber selbst nach einem kurzen Meerbad fühlt man sich herrlich erfrischt. Kleine Plattfische tarnten sich im Sand. Ich hätte dort stundenlang sein können.

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Playa de Guadamía bei Ebbe, diesmal auf der Suche nach dem Meer

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Die Klippen aus der Brandung heraus besehen

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Auf die andere Seite geblickt, ist alles etwas ruhiger, aber dann:

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Nach einer gemütlichen Mittagspause kehrten wir zu den Klippen zurück. Nun war Flut und die Brandung tobte, prallte, donnerte gegen die Karstfelsen, dass das Wasser nur so schäumte und hochspritzte. Die Ría war inzwischen vollgelaufen. Kaum zu glauben, dass wir da unten vor wenigen Stunden noch standen und herumliefen. Dazu herrschte ein wundervolles Licht! Wir machten ein paar schöne Fotos und ließen es uns zwischen den Klippen gut gehen, bis es uns zu wild und zu feucht wurde.

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Da hatte wir eben noch gebadet !

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Was für ein phantastisches (Sturm-) Licht an diesem Tag !

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Ich wagte mich zwischen die Klippen in die Brandung, …

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während Marie sich in der Rolle der Sturmbraut gefiel.

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Da wurde sie wenigstens nicht so nass wie ich …

Hoffentlich bis zum 4 Teil wieder trocken,
Euer To.

Der Fürst von Asturien, Atlantikbrise 2

Montag, August 15th, 2011

und sein kleines Fürstentum.

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3. u. 4. Reisetag: Ohne Geschichte kommen wir bei unseren Reisen nicht aus. Da dies aber ein Erholungsurlaub ist und vielleicht auch nachgeahmtes „Füße hochlegen und auf das Meer schauen“ anregen möchte, wird dies natürlich kurz und knapp gehalten. Bewusst sollte aber werden, dass wir uns in Asturien im ältesten Teil des heutigen Königreiches Spanien befinden. Nach der islamischen Invasion, die im Jahre 711 das Westgotenkönigreich von Toledo beseitigte, fanden sich in den Bergen bei Covadonga die Herzöge von Asturien, Pelayo, und von Cantabria, Pedro, zusammen, um dem arabischen Feind Paroli zu bieten. Der Streich gelang, Pelayo wurde König und Asturien war geboren. Dies kann an historischer Stelle nachvollzogen werden: Von Ribadesella ist es nicht schwer, zur Stätte des Sieges nach Covadonga zu kommen. Einfach nach Arriondas fahren und danach den Hinweisschildern folgen. Eine Zwischenstation in Cangas de Onis lohnt sich, um die romanische Brücke zu besichtigen, die neben einer kleinen Kirche das einzige ist, was von der ehemaligen Gebirgsresidenz des frühen asturischen Königreiches übriggeblieben ist. Immerhin begann man erst rund 150 Jahre später aufzuschreiben, was eigentlich genau passiert war. Da können einige wichtige Kleinigkeiten schon verloren gegangen sein. Fehlendes müssen wir durch arabische Quellen ergänzen. Immerhin wissen wir noch, dass neben den Mauren die Bären der ärgste Feind der Asturer war. Der zweite König Fafila fiel im Kampf gegen so einen pelzigen Honigdieb. Und da wir uns schon fragten, wo der Herzogskollege von Pelayo, der Herr Pedro von Cantabria, bei dem Ganzen blieb: Pedros Sohn Alfonso und Gatte der Tochter von Pelayo wurde König und da er gerade Langeweile hatte, jagte er den Mauren die Nachbarprovinz Galicen und die wichtige Stadt Astorga ab.

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Aber für die mächtigen Emire in fernen Córdoba war Asturien lange Zeit ein abhängiges Gebirgskönigreich, dessen Könige schon mal die Spitznamen „Maurenkätzchen“ tragen konnten. Asturien wurde erst mächtig, als seine Könige südlich der cantabrischen Berge auf der Hochebene operierten und die Mauren bis zum Duero und darüber hinaus verdrängten. Da hieß das Königreich aber bereits León nach der neuen Hauptstadt und später wurde daraus das Königreich Castilla y León. Bis heute ist der Fürst von Asturien der Thronfolger des spanischen Königreiches. Dieser heißt im Moment Felipe und leider haben wir ihn nicht in Asturien angetroffen. Er hat, so war es im Fernsehen zu sehen, ganz woanders Urlaub gemacht. Seine Fahne tauchte nur kurz bei der U19-Europameisterschaft im Fußball auf, die Spaniens Jugend natürlich gewann (Campeones de todos), wurde vom Trainer aber sofort wutentbrannt fortgeschafft, was eine Kontroverse in den spanischen Zeitungen auslöste. Irgendein Amt oder ein Bedeutung in der autonomen Region „Fürstentum von Asturien“ besitzt Felipe übrigens nicht. Nur wenn der „Prinz-von-Asturien-Preis“ in Oviedo, der Hauptstadt Asturiens, in verschiedenen Kategorien ähnlich dem Nobelpreis verliehen wird, ist der Fürst Felipe natürlich dabei.
Die Fahne Asturiens schaut so aus. Sie zeigt das „Cruz de la Victoria“ (Siegeskreuz) auf königlichem Blau und soll seit Pelayos Zeiten benutzt worden sein. Aktuelle Informationen zu Einwohner, wirtschaftliche Lage und wie viele Einwohner auf einem Quadratmeter wie viele Dudelsäcke blasen können, gibt es sehr schön und aktuell bei Wikipedia …

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Ribadesella

In Ribadesella hat sich seit dem letzten Besuch nicht viel verändert. Der Strand ist immer noch schön. Die Stadt drängt sich nach wie vor an die Felsen und die Ría verändert sich in den Gezeiten von Ebbe und Flut. Die Touristeninformation ist inzwischen vom Kornspeicher in der „Neustadt“ zurück an den Hafen in einen Neubau gezogen. Die Marina ist gewachsen und sicher ist eine neue Generation von Kellnern herangewachsen. Bei Sonnenschein ist das Städtchen mit Sella-Mündung, Strand und Bergkulisse nahezu traumhaft. Wir sind hinauf zur Ermita gestiegen und schauten einen Moment (der viel zu kurz war) auf den Atlantik:

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Der Strand von Ribadesella

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Die Sella-Bucht

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Die Ermita

Unterhalb der Ermita de Guía gibt zwei sehr interessante thematische Promenaden. Es beginnt mit der Mythologie Asturiens, dort gibt es etwas zu lesen über Nuberu, Trasgu, Xana und Co. (aber nichts über Kellner-Hobbits und „Kerkelinge“). Im Anschluß sind schöne Keramikwände angebracht, die etwas über die Geschichte von Ribadesella erzählen. Zwei Punkte möchte ich, da ich diese aus dem Ärmel schütteln kann und sie mir am Wichtigsten sind, erzählen:

Von Höhlenmalerei und dem Schachkönig

Die größte Sehenswürdigkeit in Ribadesella ist das Höhlenzentrum der Cueva de Tito Bustillo. Dort bitte nach den Öffnungszeiten oder Zugangsbeschränkungen fragen. Bei dieser Höhle handelt es sich um eine sogenannte Bilderhöhle. Ich bin zwar inzwischen der Meinung, dass man die sehr versteckt und im Dämmerlicht nicht immer gut erkennbaren Bemalungen und Höhlenzeichnungen besser auf gut gedruckten Büchern erkennen kann, aber wer einmal dieses Höhlengefühl bekommen möchte, ist hier an der richtigen Stelle. Laut einer Datierung, über die ich bei Tito Bustillo verfüge (aus Lorblanchet: Höhlenmalerei, ein Handbuch), fertigten hier Menschen die Malereien vor etwa 14 500 Jahren an. Man fasst diese Jäger- und Sammlergesellschaft unter dem Begriff „Franco-Cantabrische“ Kultur zusammen. Dazu ausführlich bei Wiki mehr …

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Und so stellt sich unser Keramikkünstler aus Ribadesella die Bemalung der Höhle vor …

Die eigentliche Stadtgründung von Ribadesella fand unter dem kastilischen König Alfonso X. mit dem Beinamen „Der Weise“ (*1221- +1284 ) statt, der zahlreiche Städte an der Küste gründete oder Ihnen das Stadtrecht verlieh (was oftmals die erste urkundliche Erwähnung darstellt). In dieser Funktion trat er gleichfalls in den Orten Villaviciosa, Luerca und Navia auf. Anders als in Altkastilien, wo die Orte das Mittelalter konserviert zu haben scheinen, wovon Stadtmauern, Kirchen, ja selbst Profonbauten zeugen, ist das 13. Jahrhundert des Alfonso X. aus dem Stadtbild von Ribadesella vollständig verschwunden. Nur die Keramikwand im Verlauf der Themenpromenade erinnert einzig an ihn.

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Alfonso X, der Weise, übergibt die Gründungsurkunde der Stadt Ribadesella

Alfonso X. trat anders als seine Vorgänger nicht als Kriegskönig, sondern als Mann der Verwaltung, der Wissenschaft und der Kunst auf. Er ist der erste König aus Spanien, der auch versuchte, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation) zu werden. Und er ließ ein reichbebildertes und umfangreiches Schachbuch schreiben und ausmalen, deswegen nenne ich ihn den „Schachkönig“. Auch ein friedlicher König darf nicht nicht in Frieden sterben. Am Ende seines Lebens bedrängt und vom eigenen Sohn Sancho entmachtet, starb Alfonso, der König des Schachs und der Troubadoure, verzweifelt und all seiner Träume beraubt. Spanien, vielmehr seine Barone, hatte sich für den nächsten Krieg entschieden! Alfonso hinterließ uns sein Schachbuch, die wundervollen „Cantigas de Santa Maria“ und ein Gesetzeswerk, Siete Partidas und das Fuero Real, das seiner Zeit weit voraus war. Kehren wir aus der Geschichte nach Asturien zurück:

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Blick von der Ermita nach Ribadesella, hier gibt es nur kleine Hotels, keine Bettenburgen!

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Drachen gibt es auch in Ribadesella, allerdings nur als “Lichtbringer” an Hauswänden

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Möwen sitzen auf einem alten Bootswrack in der Ría von Ribadesella

Bis zum dritten Teil des asturischen Reiseberichtes, Euer To.

Atlantikbrise 1

Donnerstag, August 11th, 2011

„Ferien, Ferien, Ferien!“, lautete mein erleichterter Kampfruf. Über drei Wochen lagen vor uns, in denen wir nur entspannen und auf das Meer, ein richtiges Meer, den Atlantik, schauen wollten. Uns ging es weniger um Sehenswürdigkeiten, die werden dennoch erwähnt, sondern darum, einmal die asturische Küste abzureisen, einen Gesamteindruck zu bekommen. 2002 waren wir schon einmal in Asturien, hier  unser damaliger Eindruck …

Bilboko Aireportua (Flughafen Bilbao)

1. Reisetag: Dazu passenderweise mussten wir durch die Walfischrippen aus Beton gehen, dem Untergeschoss des Flughafens von Bilbao, auf die Schalter des Autoverleihes zu. Der Flughafen von Bilbao (baskisch = Bilbo) besticht durch sein außergewöhnliches Design, viel schöner als die Zweckbauten in Leipzig und München. Kunst kommt von Können, hier wieder eindrucksvoll bewiesen!

„Unser Seat León“ wurde vom aus den Wolken auf Bilbao aufgeklatschten Walfisch ausgespien, hinein in den baskischen Regen und auf die Schnellstraßen rund um die Stadt. Wir blieben auf der E-70, der Autopista del Cantabrico, die uns über Torrelavega bis nach Asturien, genauer gesagt kurz vor die Kleinstadt Ribadesella, führte. Heute ist diese Autopista auf den meisten Abschnitten, ein Blick in eine aktuelle Karte bringt hier jedermann Klärung, als Autobahn (meistens die A8) ausgebaut. Mit Tunneln und gewagten Brückenkonstruktionen wurde die gebirgige Küste dem Verkehr gefügig gemacht. Ich kannte diese Straße schon, als sie sich bergauf und bergab quälte, die Ría bei Laredo nur über eine schmale Brücke überquerte und sich durch die Straßen von Torrelavega schlängelte. Dieses romantische und mühsame Reise ist endgültig vorbei!

Die Kinder waren schon auf der Fahrt begeistert vom Atlantik und der grünen Landschaft, durchbrochen von Rías und kleinen Stränden. An der Grenze zum Fürstentum Asturien begrüßte uns kurz die Sonne und wischte die Schleier des Nuberu, des asturischen Nebelgeistes, fort und wir sahen die Picos de Europa, wie von einem Lichtstrahl kurz angestrahlt. Wir waren in den kleinen Gassen des Ortes Camango (astur: Camangu) angekommen. Ohne die Wegweiser des Gastgebers hätten wir die Casa Rural L‘Alceu nicht gefunden. In die engen Straßen von Camango oder dem Nachbarort Meluerda paßte jeweils ein Auto, aber nicht mehr! Die Ferienwohnung war rustikal, aber hell und gemütlich. Es gab schöne Bodenfliesen und dem Jugendstil nachempfundene Lampen, die gut zum Holz und Stein gut paßten. Nichts wirkte kitschig, nicht übertrieben, wie es in Deutschland oft geschieht. Lufthansaflug, Mietauto und erste Ferienwohnung wurden uns dankenswerterweise (wieder einmal!) von Alexandra Lendle organisiert.

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Unser erstes Ferienhaus  auf dieser Reis, zur  Casa Rural L‘Alceu gehörig. Man beachte die Katzen.

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Den ersten Tag konnten wir nur in den Regen gucken …

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… oder etwas spazierengehen. Durch diese engen Straßen mussten wir auch mit dem Auto fahren.

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Da gab es alte Anwesen anzuschauen …,

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Hortensienhecken und …

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… nasse Eselchen.

Katzen, Kellnerhobbit und Kerkelinge

2. - 3. Reisetag: Der Regen ist vorbei. „Das ist doch kein Sommer dieses Jahr“, erzählte uns eine alte Frau, die wir auf einem Spaziergang nach Meluerda trafen, „Wir haben doch schon Juli!“ Nicht weit vom Ferienhaus trifft man auf einen mit gelben Zeichen versehenen Wanderweg, der auf den kleinen Straßen und auf Wanderwegen bis Cuerres führt. Auf dem Jakobsweg kann man auf einem Karrenweg über Collera und Meluerda zurücklaufen. Über Teilabschnitte entscheidet jeder selbst! Wir lieben diese Spaziergänge auf den engen Straßen an Hortensien- oder Montbretienhecken vorbei. Mitten im Ort gibt es einen karstigen Hügel, auf dem wachen die Schafe. Auch sie sind vom Regen durchnässt. Es ist wirklich kein Sommer!

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Erst als der Regen aufhörte, stellten wir einen besonderen Service der Casa Rural (Landhaus, Landhotel) fest: Die Besitzerin hielt sich viele Katzen, Perser- und Siammischungen, aber auch ganz normale Landkatzen. Da schaut auch schon einmal eine Katze zum Fenster herein! Für katzenverliebte Reisende natürlich schön! Nach Aussehen und Charakter vergaben wir bereits Namen wie Björn oder Cortez.

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Nach den Haustieren ist auch die asturische Mythologie, mit der hierzulande so eifrig geworben wird, zu ergänzen. Bekannt sind bereits der Trasgu, der Hauskobold, die Xana, die Quellnymphe, und der Nuberu, dem bereits erwähnten Nebelgeist. Diesen Gestalten können wir nun den asturischen Hobbit hinzufügen. Er ähnelt sehr Frodos Freund Sam aus dem „Herrn der Ringe“, trägt die hobbittypische Weste und die zerzausten Haare seiner Art. Er serviert in Fischrestaurants gerne Merluza a la Romana und füllt tiefe Teller so lange mit Fischsuppe, bis sie überlaufen. Leider taucht seine freundliche Art nur selten auf in den Restaurants. Das heißt aber nicht, dass die Asturer unfreundlich sind, vielleicht etwas wortkarg das ja, aber sonst: im Gegenteil!

Eine weitere neue mythologische Art in Asturien ist der „Kerkeling“. Er ist eingewandert bzw. er wandert durch. Früher trat diese mythologische Gestalt nur in Einzelfällen im nördlichen Zentralspanien auf dem Camino de Santiago bzw. Camino francés auf. Man nannte sie in der Regel Jakobspilger oder auf span. Peregrinos, d.h. Pilger. Zu Beginn der Neunziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts waren sie noch so selten, dass sie von Passanten Kaffee serviert bekamen oder um eine Unterkunft in den Bergen fürchten mussten (etwa 10 000 Wanderer im Jahr, die meisten Spanier).

 

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Der Camino de Santiago kurz vor Ribadesella

Heute ist aus der einsamen Jakobspilgerei von einst eine Massenbewegung geworden, die mit fast 300 000 Leuten auf allen möglichen Jakobswegen Spanien zerpilgert, was kleine Hotels, Bars und Geschäfte am Rande der Wege natürlich freut. „Kerkelinge“ nannten wir die Leute nach dem Autor des in Deutschland am Besten verkauften Buches zum Thema. Das soll nicht beleidigend für die Leute oder den Autor sein, sondern nur feststellen, dass es ein Unterschied ist, ob man einem Trend vorausgeht, etwas Neues für sich entdeckt, ob man einen Trend schafft oder ihn vermarktet oder diesem Trend hinterherhechelt. Auch die „Kinder von Torremolinos“ waren einst „trendy“ und man schaue sich nun am Mittelmeer die Küsten an.

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Pilgerwegweiser. Es ist heutzutage für einen “Kerkeling” fast unmöglich, sich zu verirren.

 Zum Glück brauchen die „Kerkelinge“ noch keine Bettenburgen, aber Spanien ist es also tatsächlich gelungen, aus einer alten mittelalterlichen Pilgertradition einen Massentourismus zu machen. Der Weg ist hier in der Tat das Ziel, nämlich diesen auszubauen und zu pflegen und für diesen neuen Touristentyp nutzbar zu machen. Längst ist Asturien, das alte Ferienziel der hitzegeplagten Spanier, nicht mehr so billig wie einst und die Immobilienkrise hat auch hier viele Menschen an den Rande der Existenz gebracht. Der durch Asturien verlaufene Nordweg für die „Kerkelinge“ schafft neue Einnahmequellen. Wie wissenschaftlich abgesichert die Wegführung wirklich ist, kann ich dem Freund historischer Wahrhaftigkeiten nicht sagen. In der Gegend um Ribadesella herum, in der ich mich gerade befinde, habe ich das Gefühl, das bestehende Karrenwege und Dorfstraßen dem ungefähren Verlauf des Nordweges angepaßt worden sind. Und man will ja schließlich nicht auf der Schnellstraße laufen, oder? Die „Kerkelinge“ gehören auf jeden Fall zu Asturien wie der Trasgu, die Berge oder der Sidra. Aber zum letzteren kommen wir noch später.

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Man trifft sie fast täglich, Wanderer auf dem Camino de Santiago

Kurze Pause, dann folgt der Teil 2, Euer Tras - To.

Zurück vom Atlantik

Montag, August 8th, 2011

Wir sind wieder zurück ! Der Alltag hat uns wieder. Wir waren fast vier Wochen im Fürstentum Asturien, lt. eigener Tourismuswerbung ein “Paraíso natural”. Wer nicht weiß, wo das liegt: Asturien gehört neben dem Baskenland, Kantabrien und Galizien zum “grünen Spanien”, dem Gebiet an der Atlantikküste im Norden Spaniens. Hier herrscht zum größten Teil einheimischer Tourismus vor. Wir wollten in Asturien auf das Meer schauen, entspannen und gut essen. Ob uns das geglückt ist und was es noch so in Asturien zu sehen gibt, gibt es an dieser Stelle bald in unserem Reisebericht zu lesen.

Bis dahin, Euer To.

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Atlantikklippen und Berge nahe Ribadesella

Am Winderatter See

Donnerstag, Februar 24th, 2011

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Freie Tage im Winter-Refugio am Winderatter See. Der grüne Kacheloffen bollert und wir können uns so richtig fallenlassen. Nur Marie kann das leider nicht, die Arbeit an der Quartalsarbeit ruft.

Jugendstil-Kachelofen

Auf dem Hinweg haben wir diesmal nicht bei Maic hereingeschaut, sondern in Hamburg bei Cooki, Judith, Benedikt und Martin. Ganz herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft und der Grieche war super ausgesucht. Die selbstgemachten Taramas waren die leckersten, die ich in den letzten Jahren gegessen habe.

Letztes Jahr hatten wir noch Schnee, als wir in Winderatt eintrafen, diesmal regnete und stürmte es. Das Wasser stand auch dort ganz schön hoch. Überall auf den Feldern hatten sie an niedrigen Stellen “Seen” gebildet. Es war sogar die Straße zwischen “Osaka” und Winderatt gesperrt, weil der See über die Ufer getreten war.

Wir haben es uns gemütlich gemacht und die Tage ruhig verbracht. Einmal waren wir in Flensburg, einmal in Sönderburg. Beide Ausflüge nutzten die Damen hauptsächlich zum Shoppen. Ein paar Sachen bekamen die Herren auch ab. Ich habe mir beispielsweise ein neues Spiel gekauft: “Die goldene Stadt”. Wir haben es erst einmal gespielt, aber ich fand es sehr spannend schnell, vom Design auch sehr ansprechend. Kaum zu glauben, ich habe in der Zeit kein einziges Museum von innen gesehen!

Die ersten Schneeglöckchen ließen sich auf der Winderatter Wiese hinter dem Wintergarten sehen und wir machten mehrere Wanderung an den See. Zweimal wanderten wir sogar ganz herum. Durch den feuchten Boden war das gar nicht so einfach, außerdem hatte jemand den Steg durch das Feuchtgebiet (Moor) gesperrt. Wir sind trotzdem durch, aber tatsächlich war an vielen Stellen das morsche Holz beschädigt, aber wir sind hinüber gekommen.

Moorsteg

Die Kälber der wilden Rinder sahen aus wie Bad-Kösen-Tierchen, niedlich, auch wenn einem so mitten in einer Herde nicht ganz behaglich ist. Nachdem wir den Steg und die zweite Weide gut überstanden hatten, ging es über die längst verschwundene Grauburg wieder zurück zur Ferienwohnung im “Alten Obstgarten”.

Wer sich ausführlicher über unser Winterquartier informieren möchte, dessen Bequemlichkeit+supernette Gastgeber wir nur wärmstens empfehlen können, bitte schön, hier klicken…

Ja, und wir haben natürlich auch wieder Apfelkuchen gebacken und Tee mit Rum getrunken und Flens-Bier natürlich auch. Einmal waren wir am Meer spazieren. Was sich so Meer nennt! Die Ostsee an der Flensburger Förde gibt den Eindruck von der Ostsee als Binnenmeer exemplarisch wieder. Aber es herrschte ein wunderbares Licht. Auf der anderen Seite konnte ich sogar einen Leuchtturm erkennen. Beim Spazierengehen bekommt man Hunger.  Eines Tages brauchen wir eine zuverlässige Quelle, wo wir frischen Fisch bekommen. Trotz Meeresnähe springt er einen nicht gerade an.

Schade eigentlich, findet To.

Wildes Rind

Disibodenberg (Urlaubsnachlese 2)

Montag, September 13th, 2010

Wie bereits erwähnt, haben wir eine kurze Reiseunterbrechung auf dem Weg von der Obermosel nach Halle gemacht: Der Disibodenberg schien uns einen Besuch wert. Alles Weitere bei den Fotos:

Obermosel (Urlaubsnachlese 1)

Mittwoch, September 8th, 2010

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Der August war  regnerisch und die Ferien sind schon wieder vorbei. Man flucht darüber, aber wir erinnern uns auch gern. Dieses Jahr war unser Urlaub zweigeteilt. Marie, frisch aus Tokio zurück, war zumindest beim ersten Teil mit dabei:

100_1903.JPGAn der Obermosel

Ein Ferienziel, was wir sehr gut für Kultur- und Erholungsferien empfehlen können, ist das Gebiet an der Obermosel südlich von Trier an der Grenze nach Luxemburg. Beide Städte allein sind ja schon eine Reise wert. Wir kamen direkt an der Mosel im Ort Wellen unter, der eher durch Gediegenheit als Schönheit besticht, allerdings gibt es auch hier einige nette Ecken zu entdecken und ein Restaurant vor Ort ist auch nicht zu verachten. Das netteste in Wellen ist allerdings unsere Ferienwohnung gewesen, die wir auch uneingeschränkt weiterempfehlen können: Huetti`s Ferienwohnung. Da haben wir also gewohnt.  Das Häuschen besaß einen großen Raum mit Küchenecke, eine Sofaecke und eine Essecke. Oben gab es eine Schlafgalerie, ein weiteres Schlafzimmer und ein großzügiges Bad.  Draußen gab es eine Terrasse, leider nicht mit Ausblick auf die Mosel.  Hier konnten wir die Füße hochlegen, wenn es zu warm war (tatsächlich, es gab im Juli einige warme Tage!) und da Fahrräder zum Haus gehörten, boten sich kleine Fahrradtouren entlang der Mosel entweder auf deutscher oder luxemburgischer Seite an. Weitere Ausflugsziele mit dem Rad oder dem Auto gibt es in Hülle und Fülle:

neu1.jpgWir nahmen zuerst Saarburg in Angriff. Der Ort besticht besonders durch seinen Wasserfall mitten im Ort. Saarburg ist eine ottonische Gründung im Bereich des Herzogtums Lothringen, ähnlich wie Vianden. Davon ist natürlich nicht mehr viel zu sehen. So wie auf diesem verlinkten Bild kann man sich vielleicht auch die frühe Saarburg vorstellen. Auf dem Rückweg von diesem Ausflug besuchten wir den Forellenhof bei Trassem. 4 frische Forellen, die wir im Ferienhaus lecker und mit Schinken umwickelt gebraten haben.

Als wir nach Trier  fuhren, war es wieder sehr heiß. Und die Kinder sind zudem in einem Alter, in ihnen Sehenswürdigkeiten nicht viel bedeuten: Die eine macht sich richtig hübsch und möchte im Buchladen Lernsachen kaufen (Lobenswert!), der andere braucht nur “Total War Rome”. Da fällt es schwer, noch zu etwas Kultur zu kommen. Immerhin haben wir die Konstantin-Bassilika, die Kaiserthermen und den Dom besucht. Danach gab es Eis. Es war aber auch wieder sehr gut temperiert. Hätten wir gewußt, dass es nicht lange anhält, hätten wir es mehr genossen! neu10.jpgMarie in den Kaiserthermen:

Es scheint ohnehin eine gastronomische Reise zu sein: Nach den leckeren Forellen zwei Tage zuvor fuhren Annette und ich am heutigen Tag über die Moselhänge hinweg zu einem Käsemarkt, kauften örtliche Produkte: Knoblauchkäse, Rustico (alter Käse), Apfelsaft und Cidre. Am Abend gab es unsere erste Fahrradtour an der Mosel entlang und über Luxemburg wieder zurück.

Der nächste Ausflug ging nach Luxemburg hinein, wir besichtigten die Burg Beauford (Wasserburg ca. 1150,  evt. auf antiken u. völkerwanderungszeitlichen Grundmauern):

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 Die Burg Beauford

neu13.jpgEine schöne Ruine! Und auch die Gegend hier, das Müllerthal können wir sehr empfehlen. Nach einem Eis fuhren wir wieder nach Hause. Den Ausflug nach Metz meiner zwei kleinen Frauen habe ich nicht mitgemacht, sondern habe den Tag mit Lesen, Schreiben, Malen und in der Völkerwanderungszeit zugebracht. Die Frauen waren grandios einkaufen. Aber ich bekam auch etwas mitgebracht: Ein Buch über Steampunk. Am Abend hatte ich endlich das Gefühl, im Urlaub zu sein und mich etwas zu entspannen. Noch zwei Ausflüge schlossen sich an: Mit Hannes fuhren wir in den Wolfspark  nach Merzig und Annette und die Kinder fuhren an einem Tag noch einmal nach Luxemburg-Stadt. Ich bin nicht mitgefahren. Es ist nicht so, dass mich nichts mehr interessiert. Früher habe ich mich auf jede Kirche, jedes Museum gestürzt, heute bin ich eingeschränkter geworden, nicht gleichgültig und auch nicht Interessenlos. Alles hat seine Berechtigung, aber nicht alles ist für mich. Die Aufnahmefähigkeit eines Menschen ist begrenzt.

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Im Wolfspark in Merzig

Eine letzte Fahrradtour im Gewitterregen, ein letzter Morgen und ein letzter Blick auf die Mosel, dann waren die Ferien hier vorbei. Die Hitze ist schon vor uns gegangen. Mit dem Weintrinken in Luxemburg 100_1911.JPGklappte es auch nicht.

Auf der Rücktour fuhren wir am Disibodenberg vorbei und besuchten unsere Winzer Luise von Racknitz-Adams und Matthias Adams. Dazu sind wir von der Mosel über den Hunsrück an die Nahe gefahren. In Odernheim befindet sich der Disibodenberg, dort, wo einst die Heilige Hildegard ihre erste Klause hatte.  Der Berg mit den Klosterruinen gehörte einst zum Weingut und wird jetzt von einer Stiftung betrieben. Immer noch sind Grundmauern von Kirche und z. T. erhaltene Giebel und Hausmauern aus dem Hochmittelalter sehr beeindruckend. Auch hier gibt es Ursprünge in die Ottonenzeit. Ein alter Bekannter, nämlich Willigis von Mainz, war ihr maßgeblich beteiligt. Vielleicht schaffe ich es in den nächsten Tagen noch einige Fotos vom Disibodenberg einzustellen und den zweiten Teil der Urlaubsnachlese folgen zu lassen. Unseren Winzern sei noch mal herzlich gedankt für die Möglichkeit die Klosterruinen besichtigen zu dürfen.

Für heute genug, Euer To.

Theaterliebe

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Es wird Zeit von einer neuen Liebe zu reden. Es war ein wundervoller Tag, um sich zu verlieben. Ein Pfingstsamstag, wie er im Buche stand. Die Sonne blätterte die Seiten um. Eine neue Liebe beginnt, doch es ist die Zuneigung zu einem Theater. Wie konnte das geschehen?theater.jpg

Wie einst die Hallenser Studenten, denen seit 1771 im pietistischen Halle  das Theater verboten worden war, zogen wir an einem späten Vormittag nach Bad Lauchstädt, aber natürlich nicht mit Pferd und Wagen, voll beladen mit Studenten, Proviant und Wein, sondern mit unserem “Teilauto”.  Es ist eigentlich unglaublich, dazu beschämend zu erzählen, aber wir fuhren nach all den Jahren in Halle das erste Mal nach Bad Lauchstädt ins Theater. Natürlich waren wir deswegen auch viel zu früh da. Denn Theater und Kurpark sind wirklich leicht zu finden, Parkplätze schienen mir ausreichend vorhanden zu sein. Aber das wussten wir eben noch nicht.

Es war ein herrlicher Pfingstsamstag, wie schon gesagt, deswegen ergingen wir uns im Kurpark und im Küchengarten rund um das alte Schloss, nun Goethe-Schule, saßen am Ende vor dem Theater in der Sonne und genossen den Tag, der es so gut mit uns meinte. Wie in der guten alten Zeit wurden in einem Pavillon Eis, Getränke und sogar kleine Speisen für denjenigen bereit gehalten, der dessen bedurfte.

Immerhin, wir saßen vor dem einzig original erhaltenen Theatergebäude der Goethezeit. Vor diesem Bau gab es dort nur eine “Bretterbude” für das Sommertheater in dem mondänen Badestädtchen Bad Lauchstädt. Wen wundert es? Wir standen erst am Beginn einer geordneten Theaterlandschaft. Viele Theaterkompanien zogen ohne festes Haus von Ort zu Ort. 1776 ließ sich eine dieser Kompanien in Bad Lauchstädt nieder und der Direktor erwarb die Konzession für ein festes Haus. Es war diese “Bretterbude”, die der “Titan Goethe” in seiner Funktion als Oberdirektor des Hoftheaters von Sachsen-Weimar übernahm und wegen seiner Unzulänglichkeit bis 1802 als neues Theater nach seinen Vorstellungen und zum Teil mit eigenen Mitteln ausbauen ließ. Schon bei der Eröffnung gab es nicht genug Plätze! Nun hatten die Studenten aus Halle etwas zu feiern: Goethe selbst wandelte unter ihnen, der Popstar der Klassik. Schiller war der Rummel um seine Person dagegen eher peinlich, man brachte ihm selbst abends und morgends Ständchen und damit um seine wohlverdiente Nachtruhe. Wahrscheinlich heißt die gute Stube deswegen heute wohl auch Goethe- und nicht Schiller-Theater.

Theater, ja, das Wort beinhaltet schon ein monumentales Gebäude, ein Musentempel, wie man so sagt. Aber bei Goethes Sommerspielstätte in Bad Lauchstädt mit seinen ca. 450 Sitzplätzen handelt es sich wohl eher um ein Musenkapellchen auf dem Felde, in der Größe von jeder durchschnittlichen Dorfkirche geschlagen. Ein kleiner Bau also, an dem die gewaltigen Stützpfeiler aus grauen Gestein außen aufragen, unverputzt und ein schöner Kontrast zu dem gelben Anstrich. Wir kamen durch den Eingang, der eher einer Puppenstube Ehre täte, aber dennoch ganz hübsch die alte Zeit widerspiegelt. Auch innen ist alles heimelig und gediegen, überschaubar. Wo fanden hier die 630 Leute in der Eröffnungsvorstellung Platz? Fest steht sofort: Ein Phantom der Oper könnte sich hier nicht lange verbergen! Selbst einige von den Musikern passten nicht mehr in den Graben, sondern mussten oben auf der Galerie oder neben dem Publikum ihrem Handwerk nachgehen. Für die Galerie unter der mit Stoff bespannten und bemalten Theaterkuppel hatten wir leider keine Karten mehr bekommen. Wir saßen unten im Zuschauerraum auf Bänken. Vor uns lag der Theatervorhang wie von einer Puppenbühne oder aus einem Kinderbuch der Theatergeschichte. Aber dies ist das Original! Dahinter verbirgt sich allerlei ausgeklügelte Technik und Mechanik, die aus Goethes und Schillers Ideenfabrik stammt: Gassenbühne nennt man das. Aber wo früher einige Bühnenarbeiter mit Rollen und Seilzügen beschäftigt waren, schafft heute ein Motor. Das ist aber schon fast die einzige Änderung.

Nun konnte  das Stück endlich beginnen, es wurde Mozarts “Zauberflöte” gegeben. Die Akustik fanden wir ganz ausgezeichnet. Die Größe des Theaters verringerte den Abstand, man befand sich mitten im Geschehen, im Zentrum der Musik. Es gingen Türen auf und zu, Chöre sangen im Zuschauerraum oder auf der Galerie. Dies soll hier keine Theaterkritik werden, jeder weiß, was er von der “Zauberflöte” zu halten hat! Dennoch, kleine Variationen oder Improvisationen wie von dem Papageno an diesem Nachmittag waren das Salz in der Suppe. Auch fanden wir die Idee, Papageno diesmal als Pinguin erscheinen zu lassen, eine verblüffend gute Idee. Und so intim das Publikum sich hier im kleinen Musentempel sich zusammengefunden hatte, so wurden am Ende die Künstler begeistert gefeiert. Das kleine Theater bebte! Deshalb wohl auch die gewaltige Außenkonstruktion!

So, das war also etwas von der neuen Liebe, die bestimmt, so die Hoffnung, uns erneut erhört und einen weiteren Stelldichein nicht abgeneigt ist.

Euer To.