02/1/11

Bis ins 2. Obergeschoss

soll das Wasser bei uns gestanden haben, stand auf einem Internetportal (nein, nicht im Halleforum, woanders). Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte der Pegel wohl um die 10m anzeigen müssen und dann wären nicht nur wir abgesoffen, sondern ganz Halle-Neustadt und auch Teile der Altstadt. Davon mal abgesehen, dass die meisten Häuser im Gut gar kein zweites Obergeschoss haben.

Nach der Flut

So schaut es im Moment auf Gut Gimritz aus. Winterstimmung.

Es hat keine Wohnung auf Gut Gimritz bei diesem „Jahrhunderthochwasser“ Schaden genommen. Wer meinen blog bislang gelesen hat, wird gemerkt haben, dass der Keller im Taubenhaus, der Müllkeller ganz viel Wasser und das Untergeschoss des alten Herrenhauses etwas Wasser abbekommen haben. Unser Keller im Parterre am Fluss genauso wie Norlhas Zimmer blieben trocken und bis zur Wohnung wären es noch 1,60 m gewesen, locker ! Also Panik machen und falsche Meldungen verbreiten zählt nicht. Wir wissen es inzwischen besser. Wenn es Probleme auf Gut Gimritz gibt, haben die bestimmt nichts mit dem Hochwasser zu tun.  „Für einen geringen Unkostenbeitrag und eine Kiste Wein pro Tag kann hier jeder bei uns wohnen“ (frei zitiert nach Torfrock).

Ja, und hurra, hurra. Jetzt ist wirklich alles wieder normal. Ich komme durch den Park zur Arbeit und wieder zurück.  Die Welt kann so schön sein, oder ?

Der Flut entstiegen, Euer To.

01/20/11

Der Krisenstab löst sich auf …

Das wird wohl der letzte tägliche Eintrag dieser über eine Woche dauernde Hochwasserblogerei: Gestern Abend waren bereits 5 Stufen auf Jens Ufertreppe wieder frei. Seine Familie und er waren natürlich auch schon wieder zu Hause. Und überhaupt! Wie ich schon vermutete, jetzt kamen alle wieder zurück. Und einige grüßten noch nicht mal. Ich mein, wir wollen ja keinen Heldenorden oder so etwas haben (obwohl wir natürlich selbst an eine Gedenkplakette gedacht haben, hihi), aber so ins „normale Miteinanderleben“ zurückgestoßen, befremdete doch etwas. Wie gut, dass wir am Ende doch noch ein Auto bei einer Transferfahrt in der Flut auf der Halle-Saale-Schleife versenken konnten. Da konnte noch mal wie in alten Tagen hektisch aufgebrochen werden und jemand gerettet werden. Das tat richtig gut. Wein und kleine Leckereien gab es hinterher bei Dani und Frank, „Weicheier“ und „Helden“ saßen gemeinsam beisammen. Auch das tat gut.

Heute löste sich der Krisenstab der Stadt zum Hochwasser auf. Am Ende gab es für uns Gimritzer noch eine Mahnung: Der Krisenstab geht davon aus, dass das Gut Gimritz heute Nachmittag oder morgen wieder erreichbar sein wird. Als „magische“ Grenze gilt der Pegelstand von 6,10 Meter. Gegenwärtig ist die Zufahrt noch nicht wieder freigegeben. Wer die Überfahrt trotzdem wagt, handelt auf eigene Gefahr.

Haben wir gehört! Ob ich auch auf eigene Gefahr handele, wenn ich meine tägliche Pilgerei zur Arbeit und zurück jetzt in Gummistiefeln durch den Gimritzer Park mache, sobald es möglich ist, hat der Krisenstab nicht gesagt. Aber der ist ja jetzt auch aufgelöst. Nun ist bald Wahlkampf, aber dazu bloge ich nicht täglich, sonst bekomme ich die Krise.

Macht det jut ! Euer To.

01/19/11

Der Alltag hat uns wieder

Nach einem „Abschiedsessen“ wieder bei Heinrich mit vielen Leckereien u.a. Rehkeule gestern Abend, versuchte ich heute früh mit Gummistiefeln zum Gimritzer Damm zu waten. Es war noch zu hoch!!! Einzig Temba konnte uns mit dem Jeep bis dahin fahren, so dass viele nun wieder zur Arbeit kamen. Die Zeit des Inselcamps ist vorbei. Und das ist auch ganz gut so.  Die Aufräumarbeiten beginnen. Telefon und Heizung müssen repariert werden. Es muss kräftig aufgeräumt werden. Die ersten Heimkehrer haben sich auch bereits angesagt.

Der Alltag auf Gut Gimritz hat uns wieder. Aber vieles wird nun nicht mehr so wie früher sein. Das hat die Flut gemacht. Und? War das etwa schlecht?

Euer To.

01/18/11

Nichts Neues aus der Flut

Wir sind immer noch abgeschnitten. Nach wie vor keine Heitzung und kein Telefon. Das Wasser ist nur ganz wenig gesunken. Einige von den Damen, die dringenden Tätigkeiten nachgehen müssen, werden rausgepaddelt zur Haltestelle am Gimritzer Damm. Mit Gummistiefeln oder dem Geländewagen ist noch kein Durchkommen möglich. Ansonsten nichts Neues aus der Flut. Wir haben immer noch genug zu essen und zu trinken. Die abendliche Runde und die Gemeinsamkeit hat sich bis jetzt gehalten.

Gestern gab es hauptsächlich Nudeln, dass aber reichlich, dazu etliche Sossen aus Hackfleisch und Tomaten, aber auch aus Lachs und Spinat,  gefüllte Weinblätter und Würstchen kamen dazu.

Aus der geschlossenen Anstaltsinsel Euer To.

01/17/11

Kultur in der Flut

Von den gemeinsamen Abendessen habe ich ja bereits berichtet. Auch gestern gab es für die etwa 22 Gimritzer Eingeborenen wieder zahlreiche Leckereien aus verschiedenen Küchen: Cous-Cous und Lammkeule, Wild vom Haus am Fluß, Rosmarinkartoffeln und Gimritzer-scharfer Soße und vieles mehr. Als das leibliche Wohl aller gestillt war. Irgendwo hatte man auch noch Wein und Bier aufgetrieben, sorgte der mit einer neuen Prof. für Gimritzer Vor- und Frühgeschichte ausgestattete Junker Jörg vom Haus am Fluss für unser geistliches Wohl mit einem Vortrag über Gut Gimritz und die Insel Peißnitz in Geschichte und Gegenwart. Da sahen wir, wie schön die Gutbrücke war, die bis 1945 (bis zu ihrer Sprengung)  un unserem Zuhause führte. Wir erfuhren von den Dampfern, die einen Linienverkehr auf der Saale fuhren, bevor es eine Brücke von der Ziegelwiese zur Insel gab. Wir sahen romantische Bilder und Fotos. Saalepartie und Wiesenpartie sind hier die Stichwörte. Berühmte Persönlichkeiten wie der Dichter Eichendorff lernten im Bade Gimritz schwimmen. Die Romantikerin Luise Brachmann ertränkte sich hier in der Saale. Ihr ist der Stein im Gimritzer Park gwidmet. Alle diese Informationen sollen in ein Buch über Gut Gimritz und die Peißnitz münden. Temba hat schon Unterstützung angekündigt und wir Bewohner werden wohl jeder unser Scherflein dazu beitragen, dass etwas daraus wird. Werbung sei hier schon einmal dafür im Vorfeld gemacht.

Wir gingen früher schlafen und das mit bangen Gefühlen, wie sich die Flut weiter entwickelt. An eine Arbeitsaufnahme am Montag war angesichts der bis zum Gimritzer Damm überfluteten Straße noch nciht zu denken.

Euer To.

01/16/11

Die Taucher kommen

Das Wasser erreicht Höchststand. In Treppenstufen bei Jens: Nur noch 1 ist frei. Der Park ist nun bis zur Straße übergelaufen. Der Pegel Trotha meldet 692 cm. Vorher konnten wir alle zum Glück noch mal duschen. Denn Heizung und Warmwasser sind inzwischen schon wieder weg. Telefon auch. Zum Glück haben wir noch Strom und auch das Internet funkt. noch. Wir sind im Moment 22 Bewohner hier (von Annette gezählt), die an den Pumpen arbeiten (besonders im Müllkeller und im Haus der Volkssolidarität (altes Herrenhaus)), unsere eigenen Pegelstände überprüfen und sich zwischendurch treffen, Sandsäcke füllen und miteinander reden. Besonders gefällt mir das gemeinsame Essen am Abend. Heute gibt es Lammkeule, mehrere.

Beim Nachmittagskaffee, während das Wasser immer mehr anstieg, gab es eine Überraschung: Drei Taucher haben sich in Anzügen und mit einem Schlauchboot zu uns herübergekämpft, um die Lage anzuschauen. Kaffee und Torte (ausreichend vorhanden) wurden von ihnen abgelehnt. Immerhin eine Überraschung! Alle Eingeborenen begleiteten die Fremden bei ihrem Abschied zur nächsten Fluteinstiegsstelle. Freundliches Winken zum Abschied. Es geht uns gut, Jungs, macht euch keine Sorgen!

Der Eingeborene To.

01/15/11

Die zweite Welle

Die Familie ist zum Wochenende wieder zurückgekommen, obwohl die Heizung in unserem Haus immer noch nicht geht. Auch kein warmes Wasser ! Wir gehen zum Duschen oder Baden zu den Nachbarn. Zwischenzeitlich sank das Wasser so, dass man mit Gummistiefeln zum Gimritzer Damm herüberwaten konnte. Das ist nun vorbei. Die ganze Straße bis zu unserer Brücke über die wilde Saale ist wieder überflutet. Auf meinem persönlichen Pegel auf der Treppe herunter des Flusses heißt das: Gestern abend: Noch 5 Stufen frei, heute früh: 4 Stufen frei, Stand heute abend: Noch drei Stufen frei. Wir werden demnächst einen eigenen Pegel bauen, ganz klar. Das ist jetzt also die zweite Welle des Hochwassers. Wir finden uns wieder zusammen, um gemeinsam zu essen. Wir wissen ja jetzt, was auf uns zu kommt und bleiben gelassen. Bei den Verantwortlichen der Stadt bekommt man eher das Gefühl, sie werden langsam nervös und unberechenbar …

Von der Insel, der To.

01/14/11

Die andere Seite

Ja, es gibt sie! Temba, der mit dem Jeep herübergefahren ist, hat schon so etwas erwähnt. Es hatte ihn sehr irritiert, weil da auch noch andere Autos fuhren. So etwas sind wir hier gar nicht mehr gewöhnt.

Nun habe ich es auch versucht. Das Wasser ist so niedrig geworden. Ich konnte auf die andere Seite waten. Die Gummistiefel machten es möglich. Jeder Gimritzer sollte fortan Gummistiefel haben oder so etwas. Ich bin herüber gewatet und auf den Wall gestiegen. Ich war auf der anderen Seite. Da war eine große Stadt, die hieß Halle oder so. Temba hatte recht, es gab da viele Autos und Lichter, Straßenbeleuchtung. Das haben wir auf Gimritz auch. Nur die Straße zur anderen Seite ist unbeleuchtet. Ich habe jetzt auch die andere Seite gesehen. Das Leben wird fortan anders sein.

Euer To.

01/13/11

Paddeln im Gimritzer Park

Im Moment läßt der Stress etwas nach, der Pegelstand sinkt und wir können uns etwas Spaß erlauben, wie zum Beispiel im Gimritzer Park zu paddeln:

Das ist allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen, besonders nicht mit Fahrzeugen, die dafür nicht geeignet sind. Wasserströmung, besonders bei Hochwasser sind außerordentlich tückisch. 

Aber der Feuerwehrhauptmann war heute früh kurz da und teilte uns mit, dass die Talsperren jetzt geöffnet werden, um die nächste Welle aus dem Thüringer Wald abfangen zu können: 2/3 noch des Schnees werden schmelzen und Starkregen wird dort herunterkommen. Die Flut könnte noch 20 cm höher werden als der Höchststand den wir jetzt hatten.

Heute hat die Volkssolidarität das Essen gespendet. Dafür ganz herzlichen Dank! Es wird ein ruhiger Abend.

 

Euer To.