01/18/11

Nichts Neues aus der Flut

Wir sind immer noch abgeschnitten. Nach wie vor keine Heitzung und kein Telefon. Das Wasser ist nur ganz wenig gesunken. Einige von den Damen, die dringenden Tätigkeiten nachgehen müssen, werden rausgepaddelt zur Haltestelle am Gimritzer Damm. Mit Gummistiefeln oder dem Geländewagen ist noch kein Durchkommen möglich. Ansonsten nichts Neues aus der Flut. Wir haben immer noch genug zu essen und zu trinken. Die abendliche Runde und die Gemeinsamkeit hat sich bis jetzt gehalten.

Gestern gab es hauptsächlich Nudeln, dass aber reichlich, dazu etliche Sossen aus Hackfleisch und Tomaten, aber auch aus Lachs und Spinat,  gefüllte Weinblätter und Würstchen kamen dazu.

Aus der geschlossenen Anstaltsinsel Euer To.

01/17/11

Kultur in der Flut

Von den gemeinsamen Abendessen habe ich ja bereits berichtet. Auch gestern gab es für die etwa 22 Gimritzer Eingeborenen wieder zahlreiche Leckereien aus verschiedenen Küchen: Cous-Cous und Lammkeule, Wild vom Haus am Fluß, Rosmarinkartoffeln und Gimritzer-scharfer Soße und vieles mehr. Als das leibliche Wohl aller gestillt war. Irgendwo hatte man auch noch Wein und Bier aufgetrieben, sorgte der mit einer neuen Prof. für Gimritzer Vor- und Frühgeschichte ausgestattete Junker Jörg vom Haus am Fluss für unser geistliches Wohl mit einem Vortrag über Gut Gimritz und die Insel Peißnitz in Geschichte und Gegenwart. Da sahen wir, wie schön die Gutbrücke war, die bis 1945 (bis zu ihrer Sprengung)  un unserem Zuhause führte. Wir erfuhren von den Dampfern, die einen Linienverkehr auf der Saale fuhren, bevor es eine Brücke von der Ziegelwiese zur Insel gab. Wir sahen romantische Bilder und Fotos. Saalepartie und Wiesenpartie sind hier die Stichwörte. Berühmte Persönlichkeiten wie der Dichter Eichendorff lernten im Bade Gimritz schwimmen. Die Romantikerin Luise Brachmann ertränkte sich hier in der Saale. Ihr ist der Stein im Gimritzer Park gwidmet. Alle diese Informationen sollen in ein Buch über Gut Gimritz und die Peißnitz münden. Temba hat schon Unterstützung angekündigt und wir Bewohner werden wohl jeder unser Scherflein dazu beitragen, dass etwas daraus wird. Werbung sei hier schon einmal dafür im Vorfeld gemacht.

Wir gingen früher schlafen und das mit bangen Gefühlen, wie sich die Flut weiter entwickelt. An eine Arbeitsaufnahme am Montag war angesichts der bis zum Gimritzer Damm überfluteten Straße noch nciht zu denken.

Euer To.

01/16/11

Die Taucher kommen

Das Wasser erreicht Höchststand. In Treppenstufen bei Jens: Nur noch 1 ist frei. Der Park ist nun bis zur Straße übergelaufen. Der Pegel Trotha meldet 692 cm. Vorher konnten wir alle zum Glück noch mal duschen. Denn Heizung und Warmwasser sind inzwischen schon wieder weg. Telefon auch. Zum Glück haben wir noch Strom und auch das Internet funkt. noch. Wir sind im Moment 22 Bewohner hier (von Annette gezählt), die an den Pumpen arbeiten (besonders im Müllkeller und im Haus der Volkssolidarität (altes Herrenhaus)), unsere eigenen Pegelstände überprüfen und sich zwischendurch treffen, Sandsäcke füllen und miteinander reden. Besonders gefällt mir das gemeinsame Essen am Abend. Heute gibt es Lammkeule, mehrere.

Beim Nachmittagskaffee, während das Wasser immer mehr anstieg, gab es eine Überraschung: Drei Taucher haben sich in Anzügen und mit einem Schlauchboot zu uns herübergekämpft, um die Lage anzuschauen. Kaffee und Torte (ausreichend vorhanden) wurden von ihnen abgelehnt. Immerhin eine Überraschung! Alle Eingeborenen begleiteten die Fremden bei ihrem Abschied zur nächsten Fluteinstiegsstelle. Freundliches Winken zum Abschied. Es geht uns gut, Jungs, macht euch keine Sorgen!

Der Eingeborene To.

01/15/11

Die zweite Welle

Die Familie ist zum Wochenende wieder zurückgekommen, obwohl die Heizung in unserem Haus immer noch nicht geht. Auch kein warmes Wasser ! Wir gehen zum Duschen oder Baden zu den Nachbarn. Zwischenzeitlich sank das Wasser so, dass man mit Gummistiefeln zum Gimritzer Damm herüberwaten konnte. Das ist nun vorbei. Die ganze Straße bis zu unserer Brücke über die wilde Saale ist wieder überflutet. Auf meinem persönlichen Pegel auf der Treppe herunter des Flusses heißt das: Gestern abend: Noch 5 Stufen frei, heute früh: 4 Stufen frei, Stand heute abend: Noch drei Stufen frei. Wir werden demnächst einen eigenen Pegel bauen, ganz klar. Das ist jetzt also die zweite Welle des Hochwassers. Wir finden uns wieder zusammen, um gemeinsam zu essen. Wir wissen ja jetzt, was auf uns zu kommt und bleiben gelassen. Bei den Verantwortlichen der Stadt bekommt man eher das Gefühl, sie werden langsam nervös und unberechenbar …

Von der Insel, der To.

01/14/11

Die andere Seite

Ja, es gibt sie! Temba, der mit dem Jeep herübergefahren ist, hat schon so etwas erwähnt. Es hatte ihn sehr irritiert, weil da auch noch andere Autos fuhren. So etwas sind wir hier gar nicht mehr gewöhnt.

Nun habe ich es auch versucht. Das Wasser ist so niedrig geworden. Ich konnte auf die andere Seite waten. Die Gummistiefel machten es möglich. Jeder Gimritzer sollte fortan Gummistiefel haben oder so etwas. Ich bin herüber gewatet und auf den Wall gestiegen. Ich war auf der anderen Seite. Da war eine große Stadt, die hieß Halle oder so. Temba hatte recht, es gab da viele Autos und Lichter, Straßenbeleuchtung. Das haben wir auf Gimritz auch. Nur die Straße zur anderen Seite ist unbeleuchtet. Ich habe jetzt auch die andere Seite gesehen. Das Leben wird fortan anders sein.

Euer To.

01/13/11

Paddeln im Gimritzer Park

Im Moment läßt der Stress etwas nach, der Pegelstand sinkt und wir können uns etwas Spaß erlauben, wie zum Beispiel im Gimritzer Park zu paddeln:

Das ist allerdings nicht zur Nachahmung empfohlen, besonders nicht mit Fahrzeugen, die dafür nicht geeignet sind. Wasserströmung, besonders bei Hochwasser sind außerordentlich tückisch. 

Aber der Feuerwehrhauptmann war heute früh kurz da und teilte uns mit, dass die Talsperren jetzt geöffnet werden, um die nächste Welle aus dem Thüringer Wald abfangen zu können: 2/3 noch des Schnees werden schmelzen und Starkregen wird dort herunterkommen. Die Flut könnte noch 20 cm höher werden als der Höchststand den wir jetzt hatten.

Heute hat die Volkssolidarität das Essen gespendet. Dafür ganz herzlichen Dank! Es wird ein ruhiger Abend.

 

Euer To.

01/13/11

Pegelstand sinkt

Hoffnung ist in Sicht. Um 10 cm ist das Wasser seit dem Abendbrot gesunken. Ein Hoffnungsschimmer. Aber ich wollte etwas anderes erzählen. Ein Geschichte, die von 12 Aufrechten handelt, die auf Gut Gimritz mitten in den Fluten ausharren, gemeinsam die Pumpen kontrollieren, die Pegelstände ablesen und sogar gemeinsam Abendbrot essen, Wein trinken und lachen, obwohl einige unten ihnen nicht unbedingt bis dahin Freunde waren. Ich finde auch das einen Hoffnungsschimmer. Ich glaube, etwas anders wird es schon sein nach dem Hochwasser. Vielleicht sogar etwas besser.

Im Auftrag des Deichgrafen, Euer To.

01/12/11

Hochwasserrundgang

Heute bin ich in den Mittagsstunden einmal um Gut Gimritz gegangen und habe Fotos von der Hochwasserlage (Stand 12.01.2011, etwa 13 Uhr) gemacht. Hier das Ergebnis:

Annette, Hannes und Marie sind seit gestern zusammen mit den meisten Bewohnern von Gut Gimritz evakuiert und leben und schlafen momentan in Annettes Praxis. Hier halten noch fast ein Dutzend Leute aus, kontrollieren den Hochwasserstand und die zwei Pumpen, die den Heizungskeller auspumpen. Heizung haben wir trotzdem nicht mehr. Strom soll bleiben, solange die Lage an der Eissporthalle stabil bleibt. Soweit die Lage momentan.

Alles Liebe Euer To.

01/11/11

Hochwasseralarm

Eigentlich wollte ich als ersten Beitrag im Familienblog im neuen Jahr etwas zu den Silvesterfeierlichkeiten und dem tollen Feuerwerk von Master Heinrich schreiben, aber die Ereignisse überschlagen sich gerade:

Es herrscht Hochwasseralarm auf Gut Gimritz und wir sind von der
Außenwelt abgeschnitten.
Keine Angst, es geht uns allen gut. Aber es kann sein, dass bei weiteren Wasseranstieg oder auch nur, weil Feuerwehr und/oder THW keine Lust mehr haben, einen Shuttleverkehr aufrecht zu erhalten (was zu verstehen ist, dafür sind sie nun wirklich nicht da), dass Gut Gimritz evakuiert ist. Das Fachwerkhaus, dass außerhalb des Gutshofes direkt am Wasser steht, ist bereits geräumt und auch das Taubenhaus ist im Keller voller Wasser. Bei uns sieht die Lage noch weniger dramatisch aus, es ist noch Platz bis zum Fuß des Hauses (etwas 50cm in der Höhe) und zumal bis zu unserem Keller. Das Wasser stagniert auf der Seite der Elisabethsaale, läuft aber weiter in Park, auf die Sportplätze und vor die Eissporthalle aus. Das THW befürchtet deshalb, auch mit ihren großen Autos nicht mehr durchzukommen. Die ganze Straße auf Höhe der Sportplätze ist überflutet und die Halle-Saale-Schleife ist eine Fluss geworden. Wir sitzen auf gepackten Sachen und warten ab, wie es weitergeht. Wenn der Flusspegel nicht weitersteigt, werde ich wahrscheinlich die Stellung hier halten. Ich habe auch eine Menge Fotos gemacht, die stelle ich im Anschluss hier mit ein.

Euer To.