11/28/13

Mutti und der Papst

Wir haben eine neue Regierung. Vielleicht. Und einen neuen Papst. Was hat das miteinander zu tun? Irgendwie nichts und doch viel. Der eine macht ein bißchen Hoffnung, die andere macht müde …

stern1

Zauberlehrlinge überall, wer stoppt die Besen ?

Deutschland wird weiterhin von einer Frau regiert und die katholische Kirche von einem Mann. Es bleibt alles, wie es ist und wie es war. Hoffentlich, sagen die einen, vielleicht, die anderen. Sicher ist momentan nur, dass die Kirche eine eindeutig männliche Domäne bleibt. Zwar darf man sich vielleicht darüber streiten, ob Gott Mann, Frau, Es oder ein viertes ist, aber seine Priester sollen laut Papst Männer bleiben: „Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht.“ Immerhin darf eine Frau in Deutschland Bundeskanzlerin werden. Ansonsten scheint sich die alte Fregatte Kirche aber unter dem neuen Kapitän Franziskus zu bewegen, während der Luxusliner D. unter der Admiralsmutti in schwerer See zu bewegen scheint. Scheint.

Bleiben wir aber bei den römischen Altertümern. Papst Franziskus Hinwendung zu den Armen und seine Abkehr von überflüssigen Luxus ist inzwischen hinlänglich bekannt und wir zu Recht gelobt. Sein Papstname ist tatsächlich Programm. Endlich ein Papst, der mit dem Anspruch der Kirche ernst macht. In einem neuen Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ (Freude des Evangeliums) möchte Franziskus, dass die Kirche mitmacht, und zwar nicht nur die Basis, sondern auch die Verhinderer, die Bremser, die Feudalfürsten in ihren kleinen (Bistums-)reichen. Er sagt selbst „Manche überhören, was ich sage.“ Deswegen muss es noch mehrmals und öfter gesagt werden. Die Kirche ist für die Menschen da und nicht die Menschen für die Kirche. Deshalb sollen die Hauptamtlichen auch aufhören, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Er erwartet ein Zugehen der Kirche auf die Menschen. Die Türen und Fenster sollen weiter geöffnet werden. Zulassung von Sündern (auch den bösen Geschiedenen) zum Abendmahl scheint möglich. Die Priester sollen ihre Macht im Beichtstuhl nicht mißbrauchen, sondern ihn zur Hilfe für die Menschen benutzen. Die Kirche sollte dezentraler agieren. Er fordert einen Dialog mit  dem Islam ein und geiselt unsere Gier nach immer mehr, fordert Hinwendung zu mehr Bescheidenheit und zu den Armen in der ganzen Welt. Besonders Jugendliche, die Hoffung der nächsten Generation, möchte er miteinbeziehen. In anderen Punkten bleibt er hart: Abtreibung ist für ihn Mord und über ein Frauenpriesterum gibt es keine Diskussion. Oder wenn nur ein ganz kleines bißchen …

Wer meint, ich habe es falsch oder verkürzt zusammengefaßt, mache sich bitte selbst ein Bild, hier zur Evangelii Gaudium (auf Deutsch)

Immerhin hat Papst Franziskus Visionen und ein Programm, ja, er ist sogar willens, dies durchzusetzen und steigt denen aufs Dach, die sich schwerhörig zeigen. Und unsere Mutti ? Die wird einfach weiterregieren, ohne Programm, denn den Koalitionsvertrag kann man allerhöchstens als Symbolpolitik abhaken, und ohne Visionen, pragmatisch wird das Schiff durch die Wellen gesteuert. Die Sozzen dürfen im Takt das Deck steuern. Die CSU sitzt am Kapitänstisch und gibt Bier und Weißwurst aus (ich meinte PKW-Maut und Mutti … äh, Mutter-Rente). Die Tageszeitungen sind natürlich entsetzt. Und giften dementsprechend. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, auch hier der Koalitionsvertrag.

Wie bei diesem Ding die Halbwertzeit ausfällt, keine Ahnung! Die Einzelheiten regelt ohnehin Mutti, und das ganz alternativlos, dazu eine wunderschön böser Blogeintrag bei Scilogs … Und ich hoffe, ich bekomme nicht gleich eine Klage, wenn hier den Schluss zitiere:

„Man kommt an Mutti nicht vorbei, genau! Und wir wissen es! Warum spotten wir dann? Warum wählen wir sie? Ist es ohnmächtige Liebe?
Wissen Sie was? Irgendwie wird es bald den Obama treffen. Er hat Mutti selbst sehr böse gemacht. Das traut sich nicht einmal Putin.“ Gunter Dueck in eben aufgeführter Quelle bei Scilogs

Und wenn ich mal nicht mal weiß, wie es mit Gut Gimritz, den Kindern oder mit uns am Fluss weitergehen soll, dann rufe ich einfach Mutti an, die wird schon weiterwissen…

Euer Muttersöhnchen To.

 

03/13/13

Schnee und „Mittelalterspektakulum“

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Ich habe in der Frühe unseren Kater Lasse auf der Fensterbank angetroffen, wie er entsetzt in den Schnee geschaut hat. Das Entsetzen konnte ich teilen. Wir waren doch schon so sehr auf Frühling eingestellt. Das Flusstal hat sich wieder in eine Winterlandschaft verwandelt. Brrrr. Das erste Mail am Morgen bekam ich von der Frühstimme im Radio, die noch vor mir durch den Schnee stampfen musste.Von der Frühstimme zu der Welt ist es nur ein kurzer Schritt. Denn in die Welt hinaus müssen wir alle. Ob aber das „Mittelalterspektakulum“ , sprich Konklave zur Papstwahl in Rom noch etwas mit Welt zu tun hat. Das ist die Frage. Bzw. ist es keine Frage. Die katholische Kirche bietet ein Schauspiel und präsentiert irgendwann einen neuen Papst. Da ist viel Choreographie, aber nicht mehr viel Inhalt dahinter. Jedenfalls kein Inhalt, der uns mehr erreicht.  Deswegen ist es egal, wer Papst wird. Für die Welt, für uns und für den einen Gott ohnehin, der genauso amüsiert auf Rom herabschaut, wie wir es tun. Wenn es ihn gibt…

aber es gibt auch Kunst, Poesie und Liebe, es muss ihn geben…

Euer To.

09/25/11

Absolute Papsttreue

forderte der Papst von den deutschen Katholiken. Dies von allen Deutschen zu fordern, traute sich dieser Papst nicht. Genauer gesagt, sprach er folgende Worte: „Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt.“ Das kann vieles heißen: Es kann als Aufforderung zur „absoluten Papsttreue“ interpretiert werden, wie von den Medien jetzt kolportiert wird. Und das wird als Botschaft bleiben und damit wird dieser Papstbesuch zum Desaster und zwar zum absoluten.

Es kann aber auch interpretiert so interpretiert werden: Ich bin schon froh, wenn die Kirche in Deutschland erhalten bleibt und die Katholiken nicht mit wehenden Fahnen zu Altkatholiken, Protestanten oder zu was auch immer überlaufen.

Wenn der Papst nur noch einen Hauch von Realität erkennt, hat er es vielleicht so gemeint. Aber wer glaubt ihm das noch?

gotttreu, aber nicht papsttreu, Euer To.

09/23/11

Ist das jetzt ein gotischer Dom?

Der Papst ist jetzt in Erfurt und nebenbei kann ich das im Livestream vom Domradio verfolgen. Aber was sind das für Reporter eines Exklussivübertragers? Erschreckend die Frage der Reporterin: „Ist das jetzt ein gotischer Dom“ und die Antwort des Mitmoderator: „Naja, ich bin ja kein Kunsthistoriker“. Auweiah. Außerdem kommt die Heilige Elisabeth aus Ungarn und nicht aus Erfurt, aber egal ! Hauptsache katholisch, Bildung braucht man bei Domradio anscheinend nicht. Erschreckend ! Ich wage mir gar nicht vorzustellen, was die zwei gleich im Augustinerkloster verzapfen. Vielleicht machen sie die armen Augustiner gleich zu einem protestantischen Orden. Liegt ja solange zurück!

Das Grab des Bischofs von Ravenna, Severus, (zusammen mit Frau und Tochter) in Erfurt, in der Severikirche gleich neben dem Dom, beerdigt, hat er nicht besucht. Das könnte ja als Zeichen gewertet werden, das Verheiraten von Priestern (Bischöfen?) endlich zuzulassen. Davor möge uns Gott bewahren!

Blog-To-Spezial

P.S.: Domradio kommt aus Köln.

09/21/11

Der Papst kommt …

Papstbesuch

Wir unterbrechen unseren Asturienbericht für eine aktuelle Berichterstattung:

… und keinen interessiert es ! Laut einer von der Bertelsmannstiftung und von Emnid durchgeführten Umfrage ist selbst für 58 % der Katholiken nicht wichtig, was der Papst so den lieben langen Tag tut und von sich gibt. Bei den restlichen Deutschen, evangelische Christen, Juden, Moslems und das sonst noch so rumläuft, sind es es sogar über 80 % und mehr, denen es egal ist, ob der Papst was sagt oder ob in Hamburg eine Tür zufällt. Was soll denn das ganze Theater mit dem Papstbesuch? Und warum maßt sich ein religiöses Oberhaupt an, als Staatsbesucher zu kommen, obwohl sein Mini-Staat eigentlich nicht lebensfähig ist und mehr symbolischen Charakter besitzt, ähnlich vielleicht der Mönchsrepublik auf dem Berg Athos, deren Mitglieder zum Glück nicht auf die Idee kommen,  in Fußballstadien aufzutreten und in Parlamenten vor Sünde, Modernismus und dem Teufel im Allgemeinen zu warnen.

Nun, wenigstens die „Benedetto-Schreier“ (Küng) sind es zufrieden und freuen sich. Das sollen sie auch, denn ihr Idol kommt vorbei. Das Programm ist umfangreich und hier zu finden … Wer möchte, kann sich im Shop auch zünftig mit allen möglichen Devotionalien ausstatten, vom Rosenkranz bis zur Leuchtkerze alles kaufen. Da gibt es auch die Route des Besuches und wir drücken die Daumen, dass der alte Mann das alles auch aushält und nicht ausgerechnet in der „Ketzerhochburg“ Deutschland schlappmacht. Gar nicht so witzig finden manche Bewohner an der Papstroute in Berlin den Besuch, denn sie müssen mit Scharfschützen auf den Dächern und geschlossenen Fenstern leben, wenn nicht, dann wird die Polizei so unangenehm wie einst die unheilige Inquisition, nachzulesen bei der taz…

Päpste haben es nicht einfach in deutschen Landen! Den ebenso unbotmäßigen Byzantinern konnte man wenigstens einen Kreuzzug auf den Hals schicken. Bei den deutschen Heiden half noch nicht mal so ein Kerl wie Karl V.  (Carols I. de Espanha) , der über die halbe Welt herrschte, aber nicht die Lehren eines Mönches aus Wittenberg in den Griff bekam. Die gegenseitigen Beschimpfungen haben aufgehört, auch lässt ein deutscher Kaiser keinen Papst mehr an der Engelsburg aufhängen, aber so richtig verstanden hat man sich bis heute nicht. Die Verständigung klappt selbst nicht, obwohl der Papst heuer in teutschen Landen geboren ist und ein großer Zeitungsverlag herumposaunt „Wir sind Papst“.

Da kommt er nun, der deutsche Dr. Faustus auf dem Thron der Päpste, der alles studiert hat und ein schlauer Kopf ist. Hat er den Deutschen etwas zu sagen? Oder gibt er nur Zugaben für den Benedetto-Fanclub, während der Chor „Mephistoteles“ zusammengestellt aus der ganzen vaticanischen Bagage dazu Halleluja singt.  Er ist der oberste vaticanische Beamte und deswegen wird er sich nicht bewegen. Herauskommen wird nur Heiliges (Eiliges?) Blablabla. Schade. Er hat wohl Angst ein schlechter Papst zu werden, und deswegen wird er auch einer. Den Fehler vieler seiner Amtsvorgänger.  Mutige und ungewöhnliche Männer gelangen nur selten auf diesen Posten.

„Die Katholiken in den deutschen Diözesen und überhaupt alle Christen in unserem Land liegen mir am Herzen.“, meint er. Und was katholisch und christlich ist, definiert selbstverständlich seine Besuchsheiligkeit! Warum liegen ihm nicht alle Menschen, die in Deutschland leben, egal ob katholisch, jüdisch oder muslemisch, egal ob reich oder arm, egal ob  Frau oder Mann, am Herzen ? Ich verstehe diesen Mann einfach nicht.

Das Motto des Ganzen lautet übrigens: „Wo Gott ist, da ist auch Zukunft“. Das hoffen wir! Aber was hat das mit dem Papst zu tun?

Euer To.

10/4/10

Mehr Katholiken braucht das Land

Die Weltfremdheit der einst so pragmatischen deutschen Realpolitik dehnt sich nicht nur epidemieartig aus, sondern kennt anscheinend keine Grenzen mehr: Stuttgart 21, längere Atomlaufzeiten trotz ungeklärter Entsorgung und knapper Uranresourcen, Zerschlagung eines einigermaßen funktionierenden Gesundheitssystems und das auf Kosten der Arbeitnehmer und jetzt kommt die ultimative Lösung unserer Familienprobleme und des demographischen Wandels: Ministerpräsident Böhmer aus Sachsen-Anhalt wünscht sich mehr Katholiken für das Land. Hier nachzulesen…

Mit stockkonservativen katholischen Männern und gebärfreudigen katholischen Becken ist dieses Land also zu retten! Wo diese herkommen sollen, ob er Papst Benedikt schon um Amtshilfe gebeten hat und wo diese Leute Auskommen und Wohnraum finden sollen, sagt MP Böhmer nicht. Aber Katholiken sollen es sein, deshalb findet er auch den Herrn Sarrazin so gut, denn Turbanträger und ihre Harems sollen es nicht sein, die Deutschlands Nachwuchs sicherstellen.  Der Herr Sarrazin ist seiner Meinung nach auch nur ein konservativer Querdenker und nicht das, was er eigentlich ist. Da macht Herr Böhmer mir jetzt richtig Angst: Man muss also nur ordentlich Weihwasser über den Teufel ausschütten damit er gut wird???  Herr Böhmer denkt also, der Sarrazin spricht Wahres aus, drückt es nur verkehrt aus: Statt Turbanträger vor die Tür, die sich so unvorteilhaft fleißig vermehren, sagt man lieber: Katholiken rein, damit die sich noch fleissiger vermehren. Und im gleichen Atemzug tadelt er die jungen Männer, die nicht mehr richtig ihrem Erzeugerwerk nachgehen können oder wollen. (Manche scheuen ja so sehr das Weib, dass sie sich mit ihresgleichen paaren, mein Gott !) Und fromme Katholiken wollen auch keine Sozialleistungen oder Familienförderung, die vermehren sich auch so. Wie in der guten alten Zeit!  „Katholiken als Retter“, wie Andreas Montag von der MZ schreibt. Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Wie im Märchen mit unserem Ministerpräsidenten als gute Fee und Papst Benedikt als göttlichen Retter. Der könnte ja zu Beginn schon mal als Amtshilfe die strammen Jungs seiner Garde schicken. Die werden ausgetauscht gegen unsere fortpflanzungsunwillige Bereitschaftspolizei. Dann wird es auch gleich lustiger im Vatikan!

Übrigens sind wir ja auch katholisch, fällt mir gerade ein. Herr Böhmer, bekommen wir auch eine Förderung, wenn wir mal kurz ausreisen und dann wieder reinkommen? Ach so, an eine Förderung war gar nicht gedacht.

So ist das also, na, dann vermehren wir uns halt nicht. Haben Sie jetzt davon, sagt Ihnen der To.

05/11/10

Es ist auch meine Kirche

Ich habe es mir lange angeschaut. Doch möchte ich als „Bistumsheide“ nicht  zu der „größten Krise der Kath. Kirche seit der Reformation“ schweigen. Glaube und christliche Kirche sind mir etwas wert und gehören zu unserem Leben. Beginnen wir mit einer Geschichte:

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Abraham bekehrt sich dennoch zum Christentum

Auch scheint es mir, nach meinem Dafürhalten, daß sowohl euer Oberhirt als auch die übrigen insgesamt nach seinem Beispiele mit allem Eifer, allem Scharfsinn und aller Mühe bestrebt sind, die christliche Religion, deren Grundpfeiler und Stützen sie zu sein berufen wären, ganz zu zerstören und aus der Welt zu vertreiben.

Dieses Zitat aus einer Geschichte von Giovanni Boccaccios berühmter Novellensammlung, Das Dekameron, stammt vom Juden Abraham, der lange bedrängt von seinem Freund Jeannot, sich zum Christentum zu bekehren, nach Rom geht, um „sich den Laden mal anzusehen“, wie wir heute vielleicht sagen würden. Was er im Zentrum der Christenheit sehen muß, ist erschreckend:

… überzeugte ihn nun bald, daß sie allesamt der Wollust, und zwar nicht nur der natürlichen, sondern auch der sodomitischen, frönten, ohne sich irgend Zaum und Zügel von Scham oder Schande anlegen zu lassen, so daß in den wichtigsten Angelegenheiten der Einfluß der feilen Dirnen und der Knaben von nicht geringer Wichtigkeit war. Außerdem fand er in ihnen insgeheim Schlemmer, Säufer, Trunkenbolde und Geschöpfe, die nach Art der unvernünftigen Tiere nächst der Wollust mehr dem Bauche als irgend etwas anderem gehorchten. Bei genauerer Betrachtung lernte er sie noch außerdem als so geizig und geldgierig kennen, daß sie mit Menschen-, ja mit Christenblut und mit den heiligsten Dingen, Opfern, geistlichen Pfründen oder welcher Art sie immer sein mochten, um Geld einen abscheulichen Handel trieben.

Wie wir heute wissen, wurde bei den dem Juden Abraham zugesprochenen Beobachtungen keinesfalls übertrieben. Was seinen Freund Jeannot dann aber über alle Maßen verwundert, ist die Bekehrung des Juden, der ein gläubiger Mensch, im Fortbestehen des christlichen Glaubens und der tiefen Gläubigkeit und des aufrechten Lebenswandels vieler ihm bekannter Christen trotz dieser verruchten Zentrale ein Wirken des Heiligen Geistes sah. Er wurde also trotz der Verfehlungen des Klerus Christ. Der Glauben der Laien reichte ihm vollkommen aus.  Sie sind für ihn Kirche. Warum reicht es uns heute nicht mehr? Warum sind wir so unendlich mehr auf den Priesterstand fixiert? Was haben uns die armen Kerle eigentlich getan? Sie sind doch auch nur Menschen !

Nette alte Knaben

In der Tat! Die Priester (und Bischöfe), die ich persönlich kenne, sind eigentlich ganz nette alte Knaben, engagiert, intelligent und überarbeitet in der Regel. Sie machen alle ihre Arbeit und sie machen sie meistens ganz gut.  Nur einen von ihnen habe ich als „gefährlich“ einstufen müssen. Ein anderer tat mir einfach leid, ein zweiter war noch ein „grüner Junge“, ein dritter glaubte nicht an Gott. Aber vielleicht habe ich ihn auch nur falsch verstanden. Mit dem Bischof ließ es sich gut Lachsbrötchen essen und es beruhigte: Er fand dieselben Leute gefährlich, die auch ich so einschätzte. Ich denke, solche Menschen hatte auch Abraham in seiner Heimatstadt getroffen und sie machten für ihn Teil seiner Kirche. Die Priester sind also nur Teil der Kirche, es sind die Haushüter, die Hirten, Lehrer und Zeremonienmeister. Sie sind Koordinatoren, Moderatoren, Motivatoren oder sollten es eigentlich sein. Und da sie nur Menschen sind, mit einer besonderen Aufgabe vielleicht, warum sollten sie dann nicht auch leben, lieben und genießen dürfen Gottes ganze Herrlichkeit wie wir alle? Und war nicht der Gründer des Christentums selber ein Mensch von ausgesprochener Menschlichkeit? War nicht Gott selbst hier Mensch geworden, als wolle er die Früchte kurz, aber intensiv genießen, bis er wieder an die eigentliche Arbeit zurück musste?

Die oberste Behörde

Warum es die netten alten Knaben nicht dürfen? Dazu müssen wir nach Rom zurückkehren, der sündigen Hauptstadt des christlichen Glaubens, auserkoren im Diesseits zu repräsentieren, während das himmlische Jerusalem bekannterweise erst im Jenseits zu betreten ist. Natürlich haben sich seit dem Besuch des Juden Abraham die Zeiten geändert und Päpste und Kardinäle sind ruhiger geworden. Die Sünden der Renaissance sind nicht die heutigen, wenn auch so mancher Skandal der letzten Zeit etwas anderes vorspiegeln mag. Nein, die heutige Sünde besteht aus Arroganz, Verbohrtheit und Vertuschung. In Rom sitzt keine Glaubenszentrale, sondern die oberste Behörde des Glaubens, die in 2000 Jahren mehr Vorschriften und Gesetze aufgestellt hat, immer wieder sich auf Vorschriften und Gesetze der Generation berufend, dass das Kirchenrecht dem Programmcode eines üblicherweise genutzten Computerbetriebssystems erstaunlich ähnelt. Weiß der Philosophie und Kirchenrecht virtuos zitierende Papst Benedikt eigentlich selber noch, auf wessen Felsen er da thront? Er ist doch der Manager eines weltweit agierenden Religionskonzern und steht der Verwaltungseinheit vor. Selbst den Verwaltungsvorschriften dieser obersten Behörde unterworfen kennt er auch keine andere Lösung für die netten Knaben, die in den Bistümern und Pfarreien ihren Dienst tun. Sie haben die Verwaltungsvorschriften zu beachten, Missachtungen ziehen Abmahnungen, Versetzungen, Maßregelungen nach sich. Immer streng nach Vorschrift vorgehen, sonst ist eine Karriere im Konzern Katholische Kirche ohnehin nicht möglich. Auch das Volk der Gläubigen ist den Vorschriften, Anordnungen, ja Gesetzen unterworfen und Widerspruch oder -handlung hatte noch vor Kurzem bittere Konsequenzen. Die Zeiten haben sich gewandelt, der Gläubige kann leicht sagen: Was geht mich Rom an! Sein für ihn zuständiger alter Knabe in der Kirche kann es möglicherweise nicht.

Die Mär vom guten Hirten

Der gute Rabbi Jesus war ganz fasziniert vom Bild des guten Hirten. Und  bis heute tragen die Bischöfe den Stab des Hirten als Zeichen ihres Amtes. Im Altertum war der Hirte auf seine Herde angewiesen, denn sie ernährte ihn und die Herde brauchte den Schutz des Hirten. Im Mittelalter wurde der Hirte immer mehr zum Gutsbesitzer und zum Feudalherren, die Herde bestand aus Vasallen und Unfreien, die willenlos dem Hirten zu gehorchen hatten. In dieser Zeit entwickelten sich maßgeblich die Strukturen und Gesetze der Kirche und als letzter Monarch aus dieser Zeit scheint sich der Papst zu verstehen, gewählt von den Herzögen der Provinzen, die er vorher mit diesem Amt belehnte. Während sich so mancher absolute Firmenboss des 19. Jahrhunderts zum „guten Patron“ wandelte und die Arbeiter mit Gewinnbeteiligung, Sozialleistungen und Kindergärten bei der Stange hielt, schaffte es der Monarch in Rom nicht, sich der Zeitenwende anzupassen, sondern verschärfte seinen Absolutismus, was zu weiteren Kirchenspaltungen führte. Heute ist der Hirt jemand, der seine riesigen Herden mit dem Computer und Papierbergen verwaltet, der Behördenchef der obersten Behörde. Sein Zeichen wäre besser der Kugelschreiber und die Kaffeetasse, den Hirtenstab trägt er zu unrecht. Theologisch ist er nicht zu besiegen, denn die Gebäude der obersten Behörde sind aus theologischen Spitzfindigkeiten und scholastischen Sperrzäunen errichtet.

Dezentral statt zentral !

Die größte Bedrohung der Kirche komme heute nicht durch äußere Feinde sondern durch ihre eigenen „Sünden. Papst Benedikt auf dem Weg nach Portugal 2010.

Es ist nicht meine Aufgabe, der Kirchenleitung Lösungsmöglichkeiten anzubieten. Die Kirchenvolksbewegung arbeitet schon seit Jahren daran, die Kirchenleitung zu einer Einsicht zu führen. Sehr eindrucksvoll in seiner Verzweiflung ist zum Beispiel der Brief von Hans Küng, der den Vertrauensverlust in der Kirche und die Kluft zwischen Herde und Hirten beklagt, um im vorherigen Bild zu bleiben. Die Einheit der Kirche muss dabei unbedingt in ihrer Vielfalt erhalten bleiben. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Katholische Kirche zum Ghetto von erzkonservativen Sekten und Ewiggestrigen wird. Um eine Volkskirche zu erhalten hilft nur eine Kirche vom Volk, der der Papst als Vorsitzender, Moderator und Berater vorsteht. Es wäre ein machtloser Papst, aber ein machtloser Papst kann auch keine Machtgelüste hervorrufen. Ein Papst hat bereits die Krone abgelegt. Es wird Zeit, dass sich auch die oberste Behörde auflöst und der Behördenchef zum Bruder und Berater der Ortshirten macht, statt sie zu bevormunden und zu gängeln. Der Papst würde das Christentum repräsentieren, aber er würde die Vielfalt der unterschiedlichen Kirchen nicht mehr gängeln können, noch nicht einmal die bislang als sein Eigentum begriffenen. Kein Mensch hat einen Eid auf den Papst abzulegen, den noch nicht einmal Jesus Christus verlangt hat, da er sich über unsere Wankelmütigkeit im Klaren war.

Und letztendlich: Ob der alte Knabe in Rom etwas sagt oder in Hamburg fällt eine Tür zu?! Wir haben unser Leben mit dem Chef oben ganz alleine abzumachen. Die Freiheit des Christenmenschen ist schon lange nicht mehr nur ein Begriff, sie ist ganz real.

Euer frommer To.