03/24/14

Barcelona

Notizen aus einer unbekannten Stadt

  1. Den Terminkalender habe ich auf dem Schreibtisch vergessen. Ich konnte schon loslassen, bevor das Flugschiff auf die Küste zusegelte. Zuerst einen Überblick verschaffen: Ich habe den nächsten Berg bestiegen, die Tore der Festung standen weit offen. Die unbekannte Stadt dehnt sich bis zur nächsten Bergkette aus. Früher war das Tal ein einziger Garten und die Menschen waren eingesperrt innerhalb ihrer Stadtmauer. Heute sind die Kanonen eingerostet vom Frieden. Ich stehe vor einem Immobilienbüro, kaufe im Geiste eine Stadtwohnung und beantrage die Staatsangehörigkeit eines noch nicht gegründeten neuen Landes. Wenn im Hof die Springbrunnen plätschern und Orangen wachsen, komme ich wohl zur Ruhe. Doch dieses Land ist ein Land voller Obdachlose und Jachtbesitzer, ganz eng nebeneinander, arm und reich, letztere können erfolgreich bei der Eu betteln, die Ersterwähnten verzweifeln in den Fußgängerzonen. Ich bin zu faul oder zu ängstlich, eine Münze aus der Tasche zu kramen. Mit diesem Text werde ich ohnehin nicht Stadtschreiber der unbekannten Stadt. An der nächsten Ecke telefoniert der Minotaurus mit dem Museum des Malers. Er zwinkert mir zu. Nicht umsonst sind wir bereits jahrelang gute Freunde. Er fragt: „Gehen wir zu den Huren heute Nacht?“ Ich verneine, denn längst bin ich mit der Schlangenfrau verheiratet. Ich frage mich, ob ich tote Zwillingsbrüder besuchen soll. Immerhin wartet eine Frühlingsnacht auf mich.
  2. Ich kann nicht verstehen, noch akzeptieren, das alles in dieser Welt auf Blut und Hass gegründet sein soll. Ich mag es auch nicht in der Literatur erleiden. Besonders nicht, wenn es auf Lüge und konstruierten Klischees aufgebaut ist. So habe ich die „Kathedrale des Meeres“ bereits nach wenigen Seiten weggelegt. Auch und vielleicht deswegen, weil ich weiß, dass Literatur Lüge ist und dahinter Absichten stecken können. Wer kennt nicht die vielen Berichte von den Eroberungszügen der Römer, deren tapfere Gegner sich der drohenden Niederlage dadurch entzogen, dass sie mit Kind, Frau und Mann in den Selbstmord flüchteten?! Denn wie tapfer müssen die Römer sein, wenn sie solch tapferes und ungebändigtes Gezücht bezwingen konnten! Doch das ist schlechte Literatur, wenn die Absicht sogleich erkannt, die Lüge ins Gesicht springt wie der Teufel aus der Kiste, womöglich sogar nationalistischer Humbug, im milderen Falle einfach Kitsch ist.Die wirkliche Kathedrale des Meeres sind die Schiffshallen der unbekannten Stadt. In Venedig sagen sie Arsenal dazu. Auf den Schiffen, die diese Kathedrale verließen, wurde nicht gebetet, sondern gerudert! Um auf die Galeere zu kommen, bedurfte es nicht viel: Z.B. Zigeuner zu sein und keine Arbeit zu haben. Auch bei gotteslästerlichen Tun jeglicher Art war die Galeere eine angemessene Strafe. Da begann eine ganz eigene Reise für den Delinquenten, deren Endstation der Tod war. Die Madonna des Meeres, vielfältig vergöttert und bei besonderen Gelegenheiten über das Meer gefahren, hilft auch nicht weiter und rettet keinesfalls die Verzweifeltesten der Verzweifelten. Sie wurde von der Kirche mit Sternenmänteln und Goldheiligscheinen bestochen.

     Ich besteige heute mein eigenes Schiff, beziehe mein Bett. Wie wäre es mit einen Segeltörn über das Mare Nostrum? Piraten- und Türkenfrei nun, keine Galeere ist mehr notwendig, aber voll mit den Nußschalen der Ärmsten. Wie segelt es sich über ein Meer voller Leichen? Wer es überlebt hat, hat nun bester Aussichten auf eine Karriere als Obdachloser, Drogendealer oder Kleinkrimineller. Was schert mich das, denn wie schön schaukelt mein Schiff in der abendlichen Dünung des Hafens!

  3. Überall in dieser unbekannten stadt schieben sie ihre Einkaufswagen durch die Straßen und sammeln zusammen, was in Mülltonnen oder beim Sperrmüll finden können. Besonders Altmetall ist begehrt, aber auch Kleidungsstücke oder was man sonst zum täglichen Leben Brauchbares findet, landet im Korb des Wagens. Einer dieser Menschen hatte den Einkaufswagen voller Bücher, als sammele er die Lebenslügen der Stadt auf. Ich habe leider mein eigenes Büchlein nicht dabei gehabt, sonst hätte ich es dazu gelegt. So trinke ich Cidre von der Nordküste, während der Einkaufswagen vorbeirumpelt…
  4. Was bei uns Grieche oder Araber oder Portugiese ist, das ist hier eher regional: Die „vom Meer“ oder „die aus dem Gebirge“ oder „die von der Hochebene“. So als läge die unbekannte Stadt in einem anderen Land, fern von anderen Regionen dieses Staates. Beliebt sind kleine Häppchen zwischendurch, die bei den Leuten „aus dem Gebirge“ natürlich ganz anders heißen als bei denen „vom Meer“: Einmal Happen, dort Häppchen, und wiederum woanders Speisele, die Gerichte selbst sind sich dagegen ähnlich mit kleinen regionalen Variationen selbstverständlich. Was aber Mode geworden zu sein scheint, das können wir nach einem kleinen Reihenversuch feststellen, wobei aber immer noch im Sinne der Angeklagten eine kleine Zufallsmöglichkeit übrigbleibt, ist folgendes:Bestellst du 10 Häppchen für eine kleine Gruppe, bekommst du neun. Dieses Verfahren wird erleichtert, weil einige Häppchen warm, andere kalt serviert werden, also nicht zur gleichen Zeit auf den Tisch kommen. Es werden aber alle 10 berechnet! Beim ersten Mal reklamierten wir amüsierte und glaubten an Überarbeitung. Es war eine Menge los. Beim zweiten Mal runzelten wir die Stirn, reklamierten und nahmen ein Versehen an. Beim Reklamieren gibt es keine Probleme und kein langes Zetern. Beim dritten Mal verfiel ich in die Sprache meiner Jugend und rief den Kellner durch den ganzen Saal herbei und bekam nach vielen Entschuldigungen doch noch das 10 Häppchen, Wurst in Cidre gebraten. Ich gebe es zu, darauf hatte ich mich besonders gefreut.Eine Kennerin der Leute aus dem fernen Osten in unserer Gruppe hatte folgende Erklärung. Durch die Zunahme der Touristen aus jener Gegend, die in Massen die Straßen und Sehenswürdigkeiten bestaunen, kam durch Zufall oder Absicht das 10 Häppchen-Verfahren auf, denn jene so höflich, so die Kennerin, zu bezahlen, egal, was auf den Tisch kommt oder auch nicht. Eine mögliche Erklärung, wie gesagt.Wir dagegen werden langsam verstimmt und ich hoffe, ich muß nicht zu oft in die Sprache meiner Jugend zurückfallen, die, so hat man mir versichert, inzwischen als sehr fordernd und unhöflich aufgefaßt wird, um 10 Häppchen zu erhalten. Ach, die gute alte Zeit, denke ich. Das denkt wohl auch der alte Herr im Rollstuhl, den die Verwandten vor die Tür geschoben haben, damit er rauchen kann. Abgestellt. So ist das mit den Alten.Beim Häppchen-Vertilgen in der unbekannten Stadt, Isí

    P.S.: Gestern 10 Häppchen erhalten und 10 Häppchen bezahlt, ohne Reklamation, aber diese Häppchen waren von Leuten „von den Inseln“

  5. Zugegeben, ich war lange nicht mehr in einem Gottesdienst. Gotteshäuser besuche ich dagegen öfter. Und ich spreche auch mit Gott, Engeln und Elfen. Beten ist ein Gespräch, manchmal auch ein Streit.Heute gibt es nur Einigkeit, denn es ist der Gott des Fußballs dran. Denn der Verein der unbekannten Stadt ist der erfolgreichst Club der Welt, nicht nur im Fußball, auch im Handball, im Baskettball, und, und, und… Es gibt kein Jahr, in dem nicht ein Titel oder Pokal geholt wird. Sie sind die sportliche Opposition gegen Generäle oder Könige. Auch wenn das heißt, das ein Clubpräsident erschossen wird. Das Stadion wird irgendwann in einem rotgelben Meer schwimmen, und irgendwann, das heißt morgen!Das Stadion hier nennt sich „Neues Feld“ und das ist das absolute Heiligtum des Vereins. Vorher haben wir andächtig ein Museum durchquert, Vitrinen voller Pokale bestaunt. Wir erprobten an multimedialen Tischen alle Funktionen, sahen unsterbliche Tore, heutige Erfolgstrainer als knochenharte Verteidiger traten auf. Und immer wieder Bilder vom Mesias dieses Heiligtums, dem Gandalf des Fußballs, der Tore aus dem Nichts zaubert und gegelte königliche Balrogs ins Belanglose dribbelt.Wir stehen jetzt hier auf der Reportertribühne und sind andächtig. Ist das alles nun sakral oder ein goldenes Kalb, gefüttert mit Nationalismus, Lebensfreude und viel, viel Geld? Die Antwort wartet auf uns schon am Ausgang. Auf drei Etagen gibt es Andenken gegen Bares. Blau heißt auch hier blau.
  6. Alles hat in der unbekannten Stadt Tradition, sogar das Vergnügen. Ich greife zwei Beispiele heraus. Das Erstere führt uns in die Zeiten der Weltausstellung 1926. Ein Überbleibsel dieses Ereignisses ist ein Dorf mit Nachbauten alter Häuser aus allen Landesteilen. So haben diese mehr oder weniger gelungenen Rekonstruktionen bereits ein beachtliches Alter auf dem Rücken. Wir reisen von Nord nach Süd und wieder zurück. Überall besuchen wir die Kunsthandwerker in den Häusern, die sich angesichts der winterlichen Zeit noch über Besuche freuen können. Kaum zu glauben, aber es war sogar geschmackvolles und sehr viel Künstlerisches dabei. Höhepunkt war ein frühromanisches Kloster, zusammengepuzzelt aus 4 vorhandenen Klostern. Sicher, das alles ist ein „Disneyland“, aber immerhin ein sehr geschmackvolles. Nachdem wir die weißen Häuser des Südens durchquert hatten, gönnten wir uns in einer Seitengasse eine heiße Schokolade, so gehaltvoll, das sich fast das Abendbrot erübrigt hat.Ganz anders der einhundertjährige Vergnügungspark auf der höchsten Erhebung am Rande der unbekannten Stadt. Einst stand hier nur eine kleine Kapelle, zu der gepilgert wurde, daraus ergab sich wohl der Hang zum Zusammensein und Vergnügung. Heute wird der Berg von einer gewaltigen Neo-Wasweißich-Kirche gekrönt, in die die alte Kapelle am Rand eingebaut wurde. Der Rest ist Vergnügungspark. Hier gibt es alles, was in einem Vergnügungspark gehört: Karussells, Bahnen, Automaten… Darüber dreht ein Aussichtsflieger seine Runden und das bereits seit 1929! Es ist eine Mischung aus Neu und Nostalgie, überhöht von der kitschigen Kirche und dem Jesus darauf wie ein Zuckerhütchen. Selbst die Bahn hinauf atmet asthmatisch.
  7. Europa, und damit schließen meine Notizen für dieses Mal, das ist wie ein Abendessen in der unbekannten Stadt.Es saßen zusammen: Eine bekannte Performancekünstlerin aus der Stadt, ihr kleiner Sohn, ein bretonischer Musiker, normalerweise in Paris lebend, eine deutsche Studentin, ein deutscher Schüler, eine Ärztin und ein unbekannter Schriftsteller aus dem Nará-Tal. Es gab eine örtliche Abendbrotzeit, eine ortsübliche Speisenfolge bestehend aus Vorspeise, 2. Speise und Nachtisch, dazu Wein aus Frankreich und von den Feldern der Borgia. Die Vorspeise war französisch, das Hauptgericht und der Nachtisch deutsch. Gemischt wurden die Sprachen Englisch, Spanisch und Deutsch. Die Stadtsprache wurde nicht verwendet. Der Sohn der Tänzerin hatte einen deutschen Vater und verwendete alle Sprachen, wie es ihm gefiel. Das war noch nicht das Abschiedsessen in der unbekannten Stadt, die so viele Gesichter hat, die in Europa liegt und doch in einem unbekannten Land am Rande der Zeit…

Euer To.

 

 

 

05/7/13

Reise nach Bad Gandersheim

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Annette nahm am Wochenende im Zentrum für Salutogenese am Symposium 2013 teil. Das Thema war dieses Jahr „berühren – berühren lassen – berührt sein“. Frau Doktor hielt selbst einen Vortrag unter dem Titel „‘Be-hand-lung‘: Manuelle Medizin als Therapie an der Schnittstelle von Körper und Psyche“, während ich es mir in der Bad Gandersheimer Sonne gut gehen ließ und im Ausgrabungsband der Königin Editha las.

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 Entspannung im Zentrum für Salutogenese

Gandersheim und Ottonen, da war doch noch etwas ! Natürlich das Stift Gandersheim, 852 gegründet, war das erste „Hauskloster'“ ostfränkisch-deutscher Adliger und blieb für 100 Jahre das wichtigste Kloster der Ottonen, bis es vom Stift Quedlinburg abgelöst wurde. Jutta Gladen hat in ihrem Buch „Auf den Spuren Otto des Grossen“ (2001, S. 151) die Rolle von Gandersheim etc. so kurz wie treffend beschrieben:

„Frauenklöster und -stifte waren nicht nur Zentren des Gebets und Versorgungseinrichtungen für adlige Töchter. Sie bildeten neben den Bischofssitzen die Orte, in den Kulturtechniken wie Lesen (Latein) und Schreiben vermittelt wurden, in denen Handschriften entweder selbst angefertigt oder in Auftrag gegeben wurden …“

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Das blieb vom Stift Gandersheim: Die Stiftskirche

Das Frauenstift Gandersheim brachte die erste uns bekannte Dichterin und Historikerin auf deutschen Bodern hervor (allerdings schrieb  sie nicht auf deutsch bzw. altsächsisch, sondern auf Latein): Hrotsvit (Roswitha) von Gandersheim (*ca. 935, + ca. 975). Ihr Werk ist umfangreich, besteht aus Verslegenden, Dramen und historischen Epen. Ihre „gesta Ottonis I.“ wird oft als historische Quelle benutzt, ohne im eigentlichen Sinne eine zu sein.

Wer sich in die Welt der Roswitha von Gandersheim einlesen möchte, hier als Probe der Dramen der Roswitha…

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Roswitha und Kaiser Otto I., Skulpturengruppe in Bad Gandersheim

 

 

03/7/12

Der Gesang des Wasserfalls, Atlantikbrise 15

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21. Reisetag: (zu Besuch bei den Xanas)… ist eine so schöne Musik. Der erste Fall unterhalb des Dorfes Oneta ist ca. 20m tief. Wir sitzen direkt daneben. Der Tag hat schön mit Frühstück im Hotel, dem besten Frühstück in ganz Spanien, begonnen und geht jetzt mit der Musik des Wassers weiter. Unser Spaziergang setzte sich an alten Mühlen und auf der Suche nach dem zweiten und dritten Fall fort. Der dritte Fall ging noch ca 11m tief. Warum der Weg dorthin schwer begehbar sein soll, war schwer zu verstehen. Wir sind durch den trockenen Mühlgraben marschiert und dann den Hang hinab. Der dritte Fall bildete einen Xana-See, eine Badewanne für die asturischen Nymphen. An dessen Rand konnten wir uns auf die Steine setzen, an diesem magischen Ort innehalten. Ich baute an den Rand des Wassers ein Steinmännchen, den Xanas zu sagen, dass Verwandte da waren.
Es sind die kleinen Dinge, die ich von diesem Tag in Erinnerung behalten möchte: Die alte Frau, die Marie so freundlich oberhalb der Wasserfälle angehalten hat; der verträumte Friedhof oberhalb von Oneta, wie eine Böcklin-Leinwand; die traurigen Augen des Kellners, der uns an der Hauptstraße bediente. Dazwischen tropfte und sang immer noch der Wasserfall, die Cascaden der Xanas, eine Melancholie, die schwer aus den Herzen der Sterblichen zu vertreiben ist.

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Der erste Oneta Fall

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Unsere Reisegesellschaft an den Fällen

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Die kleinen „Fälle“ zwischendurch und …

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der Weg im trockenen Mühlkanal mit …

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Blick in ein Mühlenhäuschen.

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Die tiefsten Oneta-Fälle, die wir erreichen konnten, Elfenbad und …

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der Gesang des Wassers.

Wir versuchen es am Besten mit Fußball: „Unsere U-19-Mannschaft“ spielte am Abend gegen Tschechien im Weltmeisterschaftsendspiel und dazu kehrten wir ins Hotel zurück. 3 : 2 ging das Spiel für Spanien aus, „Somos Campiones de todos!“ (Wir sind überall Champion!) titelten die Zeitungen am nächsten Tag. Wir jubelten mit und feierten mit Schoko-Churos, belgischen Bier und frischgepreßten Orangensaft aus der Hotelbar auf der Terrasse am Rande der Ría von Navia.

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11/3/11

An der Ría von Villaviciosa, Atlantikbrise 8

 In diesen traurigen und nebligen Tagen habe ich zum Glück wieder etwas Zeit für eine Atlantikbrise, wie ich meine Reiseberichte aus Asturien nenne, kommen wir heute zum …

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Segelboot in der Bucht von Tazones

10. Reisetag:
Wir sind von den Bergen herunter. Es war ein herzlicher Abschied von den Leuten im Hotel „Alto de Estazadas“. Bei noch längerem Aufenthalt wären wir wahrscheinlich in die Familie aufgenommen worden!
Im Regen sind wir gekommen, im Regen sind wir bis Nava gefahren, um dort das Sidraria-Museum zu besichtigen. Es mochte am Regen gelegen haben, aber der Ort gefiel uns nicht, so ging die Reise weiter bis an die Ría de Villaviciosa. Den Ortsnamen muss ich erst einmal üben, um ihn aussprechen zu können. Zur Ría schreibt Roberto Cabo in seinem „Reiseführer Natur Spanen“:
„Nördlich der Kleinstadt Villaviciosa bilden Dünen, Wattflächen, Schilfröhrrichte und periodisch überschwemmte Wiesenflächen ein von den Gezeitenwechseln geprägtes Landschaftsmosaik.“
Eine faszinierende Landschaft!

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 Mündung der Ría von Villaviciosa

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„Unsere“ Casa Rural

Wir sind in der Casa Rural La Atalaya untergekommen. Die Zimmer sind neu eingerichtet und komfortabel. Der Blick geht direkt auf den Atlantik. Aber an die Ehebetten mit nur einer Decke werde ich mich nicht gewöhnen. Ein Restaurant ist an der Casa Rural (Landhaus) angegliedert, das mit einem etwas höheren Preis für das Menü als normal aufwartet, aber dafür eine ausgezeichnete Spoa de Marisco und viel, viel Essen für das Geld inkl. Wein und Nachtisch (Das leckerste Eis bisher in Spanien!) bietet. Zu empfehlen! Wir sitzen nun vor dem Eingang unter dem Vordach und unter Weinranken. Der Blick geht auf eine schöne Hortensie und dahinter auf das Meer, o Mar!, der Atlantik:

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11. Reisetag:

Das Haus oberhalb von Tazones

Leider hatte man in der Casa Rural nur für eine Nacht für uns Platz. Aber die Besitzer verfügten über ein schönes Ferienhaus in der Nähe oberhalb des stark frequentierten Küstenort Tazones. Wir schauten es uns an. Es war malerisch. Es ist eine einzeln stehende Villa an der Klippe oberhalb von Tazones. Zwei oder drei Wohnungen befinden sich darin, wir bekamen die größte mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem großen Salon. Vom Haus konnten wir direkt auf das Meer, auf Tazones und auf den Leuchtturm gegenüber schauen.

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Blick auf Meer und Leuchtturm

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Mein Auto, mein Haus …

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Mein Haus, meine Terrasse …

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… und mein Salon.

Tazones ist ein malerischer Ort, einst nur ein armes Fischerdorf, heute Touristenmagnet. Eine große Hafenmauer und Wellenbrecherwürfel schützen die Bevölkerung vor der Flut. Einen kleinen Strand gibt es dort auch. Annette wäre am liebsten in jede kleine Gasse hinein gerannt. Trinken kann man dort etwas, auch einen gemütlichen Kaffee trinken, aber vom Essengehen ist abzuraten: Viel, viel teurer als in Ribadesella, Gijon oder Villaviciosa. Also nur mit großem Geldbeutel zu empfehlen. Zum Spazierengehen allerdings sehr schön. Auch kann man am Hafen Fisch kaufen …

Tazones

Tazones

12. Reisetag:

Villaviciosa

Der erste Nacht im Ferienhaus oberhalb von Tazones verlief ruhig und erholsam. Gegenüber wies der Leuchtturm den Schiffen den Weg. Ich hätte die ganze Nacht zuschauen mögen.
Wir fuhren nach Villaviciosa zum Einkaufen. Es ist wirklich eine sehr schöne und malerische Kleinstadt mit schönen Gassen und den typischen alten Häusern z.T. mit Glasbalkonen. Wir besuchten die Markthalle, trafen Karl I./V.  (Carlos I.) auf einem Platz und besuchten die Kirche St. Maria de Oliva mit dem hochmittelalterlichen Charme der Alfonso X.-Ära. Leider hatte eine spätere Zeit am Kirchenportal gewütet: Franzosen, Anarchisten oder Karlisten hatten die Heiligenköpfe abgeschlagen.

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Villaviciosa ist auch im Regen schön

Villaviciosa

Die Kirche St. Maria de Oliva

Kirche St. Maria de Oliva

Die Madonna am Portal von St. Maria de Oliva

Villaviciosa

Markthalle von Villaviciosa, u.a. frischen Fisch gibt es hier zu kaufen

Carlos I. von Spanien, gleichzeitig Karl V. des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation landete am 19. September 1519 in Villaviciosa und betrat das erste Mal die spanische Erde, um seiner Mutter Juana das vereinigte Königreich von Kastilien-León und Aragón zu entreißen. Die Großen Spaniens begrüßten die Machtergreifung,  ließen die letzte Trastamarakönigin Juana für verrückt erklären und in der kastilischen Stadt Tordesillas in „Palastarrest“ gefangen halten. Auch wenn erst der Comunero-Aufstand der kastilischen Städte mühsam zu beseitigen war, begann hier in Villaviciosa der Aufstieg des Habsburgerreiches, in dem die Sonne nie unterging.

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Denkmal für Karl I. von Spanien / Karl V. des Heiligen Römischen Reiches in Villaviciosa

Bis zur nächsten Atlantikbrise, Euer To.

10/17/11

Ein Abend im Alto de las Estazadas, Atlantikbrise 7

Panorama

Eine Bar in Arenas

Wir sind wieder in Las Arenas, Annette und Hannes besichtigen das Käsemuseum und die Höhlen, in denen der Cabrales-Käse reift, während Marie und ich in einer Bar geblieben sind und die Mittagshitze abwarten. Ich gehe einer Lieblingsbeschäftigung von mir nach, in einer span. Bar zu sitzen und den Tag entspannt verstreichen zu lassen. Nehmen wir als Beispiel diese Bar in Arenas, die auch wirklich etwas hat: Holz, Naturstein, Kacheln, dazu skurrile Uhren und alte Haushaltgegenstände an den Wänden. Das wird ergänzt durch den ältliche Barmann hinter seinem Holztresen. Er trägt natürlich Hemd und Pullunder. Ein Original darf nicht fehlen: Ein Mann, der am äußersten Rand des Tresen sitzt, sieht aus wie Don Quixote persönlich.
Durch die geöffnete Tür sehe ich nach draußen: Auch das Ambiente dort ist beachtenswert: Zwar liegt die Bar an der Hauptstraße, aber gegenüber ist eine alte Mauer, eine Straßenlaterne, ein altes Steinhaus mit Holzfenstern und ein Feigenbaum. Ab und zu laufen interessante oder lustige Leute vorbei. Oder: Im Fernsehen läuft „Tour de France“. Da immer Spanier mitfahren, wird das von den alten Männer lautstark kommentiert. Sie lassen sich auch durch Dopingvorwürfe nicht von der Begeisterung abhalten. „Don Quixote“ stellt sich hinzu, wird aber von den anderen links liegen gelassen.  Auch die Barfrau Maria ist interessant: Viel zu dünn, angespannt, konzentriert, macht sie sich mit Raumspray dran, den Comedor (Speisesaal) nebenan wieder frisch zu bekommen, die hübsche Nase immer voran, der haben Alkohol, Zigaretten und fünfunddreißig Jahre noch nichts anhaben können.

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Die Berge, bevor wir uns verirrten

 Calzada Romana

Heute wollten wir wandern. Marie blieb solange am Bach in Arenas sitzen. Der erste Wanderweg führte uns, weil wir den falschen Abzweig nahmen, nur zu einer Finca mit Ziegen und Katzen. Am Nachmittag probierten wir es noch einmal, ob wir die Calzada Romana, die Römerstraße, finden würden. Tatsächlich stießen wir am Hang auf die ersten Reste. Später fanden wir die vollständige Straße vor, die sich in Serpentinen die Berge hinaufwand. Im Gegensatz zu der gewaltigen Heeresstraße, die wir in den Sierra de Gredos vorfanden, war dies eine kleine Straße, gerade mal zwei Legionäre oder ein kleiner Karren hätten in dieser Breite Platz gefunden. Und doch musste dies eine der Hauptverkehrsadern aus den Süden der iberischen Provinzen nach Asturien gewesen sein.

Römerstraße Asturien Calzada Romana

Römerstraße, Calzada romana

 Römerstraße Asturien Calzada Romana

Es war schwül und ich quälte mich hinter Annette her immer höher hinauf. Sie schritt fröhlich voran und die Wärme schien ihr nichts auszumachen. An einem bestimmten Punkt wollten wir umkehren, da es bereits spät war. Das Wetter nahm uns die Entscheidung ab: Plötzlich bauten sich um uns herum Wolken auf, die Bergspitzen verschwanden daran und die dunkle Regen- und Gewittermacht begann von oben die Hänge herunter zu marschieren. Wir bliesen zum Rückzug.

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Gleich fällt uns der Himmel auf den Kopf

Die Strecke unterhalb der Calzada Romana erschien mir als  Weg der „Ents“ (Baumwesen aus dem „Herrn der Ringe“ von Tolkien): Zahlreiche knorrige Nussbäume bewachten den Weg und die Römerstraße. Sie schliefen, konnten aber jederzeit erwachen, träumten von der Zeit, als die Hänge und der Wald ihnen allein gehört hatte. Es begann im Halbdunkel gruselig zu werden. Die Frau, die ihre Hunde ausführte, lachte wohl klammheimlich über uns. Kaum waren wir im Hotel zurück, fiel uns der Himmel auf dem Kopf und es begann zu regnen.

Ein Abend im Alto de las Estazadas

Wir konnten den dunklen Wolken, den Ents und den Geistern der Legionäre rechtzeitig entkommen: Wir setzten uns in die Bar des Hotels, spielten „Siedler von Catan“ und bekamen von der alten Frau, die am Abend den Dienst an der Hotelbar übernahm, eine riesige Platte mit Wurst, Käse und Schinken hingestellt. Mit zwei anderen Gästen stritt sie herum, weil es ihr zu aufwändig war, noch ein Omelett (Tortilla francesa) zu machen. Danach stritten die beiden Herren, ein Alter und ein Junger, Onkel und Neffe oder Vater und Sohn,  miteinander weiter herum: Es ging um die Finanzschwierigkeiten Spaniens, die Unzufriedenheit im Land und um die Demokratie. Am Tresen waren inzwischen zwei junge Männer erschienen, die sich Gin und Limonade mischen ließen. Aber auch da gab es Probleme: Der Gin war alle und der Korpulentere der beiden fühlte sich von der alten Frau benachteiligt. Hastdunichtgesehen verschwand er trotz des Protestes der Alten in der Küche und kam mit einer vollen Flasche Gin wieder. Er goss sich damit das Glas voll. So ging es zu am Abend auf dem Alto de las Estazadas, während von draußen der Regen gegen die Fenster trommelte.

02/24/11

Am Winderatter See

Winderatter See1

Freie Tage im Winter-Refugio am Winderatter See. Der grüne Kacheloffen bollert und wir können uns so richtig fallenlassen. Nur Marie kann das leider nicht, die Arbeit an der Quartalsarbeit ruft.

Jugendstil-Kachelofen

Auf dem Hinweg haben wir diesmal nicht bei Maic hereingeschaut, sondern in Hamburg bei Cooki, Judith, Benedikt und Martin. Ganz herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft und der Grieche war super ausgesucht. Die selbstgemachten Taramas waren die leckersten, die ich in den letzten Jahren gegessen habe.

Letztes Jahr hatten wir noch Schnee, als wir in Winderatt eintrafen, diesmal regnete und stürmte es. Das Wasser stand auch dort ganz schön hoch. Überall auf den Feldern hatten sie an niedrigen Stellen „Seen“ gebildet. Es war sogar die Straße zwischen „Osaka“ und Winderatt gesperrt, weil der See über die Ufer getreten war.

Wir haben es uns gemütlich gemacht und die Tage ruhig verbracht. Einmal waren wir in Flensburg, einmal in Sönderburg. Beide Ausflüge nutzten die Damen hauptsächlich zum Shoppen. Ein paar Sachen bekamen die Herren auch ab. Ich habe mir beispielsweise ein neues Spiel gekauft: „Die goldene Stadt“. Wir haben es erst einmal gespielt, aber ich fand es sehr spannend schnell, vom Design auch sehr ansprechend. Kaum zu glauben, ich habe in der Zeit kein einziges Museum von innen gesehen!

Die ersten Schneeglöckchen ließen sich auf der Winderatter Wiese hinter dem Wintergarten sehen und wir machten mehrere Wanderung an den See. Zweimal wanderten wir sogar ganz herum. Durch den feuchten Boden war das gar nicht so einfach, außerdem hatte jemand den Steg durch das Feuchtgebiet (Moor) gesperrt. Wir sind trotzdem durch, aber tatsächlich war an vielen Stellen das morsche Holz beschädigt, aber wir sind hinüber gekommen.

Moorsteg

Die Kälber der wilden Rinder sahen aus wie Bad-Kösen-Tierchen, niedlich, auch wenn einem so mitten in einer Herde nicht ganz behaglich ist. Nachdem wir den Steg und die zweite Weide gut überstanden hatten, ging es über die längst verschwundene Grauburg wieder zurück zur Ferienwohnung im „Alten Obstgarten“.

Wer sich ausführlicher über unser Winterquartier informieren möchte, dessen Bequemlichkeit+supernette Gastgeber wir nur wärmstens empfehlen können, bitte schön, hier klicken…

Ja, und wir haben natürlich auch wieder Apfelkuchen gebacken und Tee mit Rum getrunken und Flens-Bier natürlich auch. Einmal waren wir am Meer spazieren. Was sich so Meer nennt! Die Ostsee an der Flensburger Förde gibt den Eindruck von der Ostsee als Binnenmeer exemplarisch wieder. Aber es herrschte ein wunderbares Licht. Auf der anderen Seite konnte ich sogar einen Leuchtturm erkennen. Beim Spazierengehen bekommt man Hunger.  Eines Tages brauchen wir eine zuverlässige Quelle, wo wir frischen Fisch bekommen. Trotz Meeresnähe springt er einen nicht gerade an.

Schade eigentlich, findet To.

Wildes Rind

12/2/09

Auf den Wegen des Cid

Was sind wir froh, dass wir den Jakobsweg bereits 1992 gemacht haben, als dort gerade einmal, wenn man alle Wanderstöcke mitzählte, 10 000 Pilger im Jahr unterwegs swaren. Jetzt sind es ca. 170 000 und da 2010 wieder ein Heiliges Jahr in Compostela ist, wird wohl locker die 200 000 Schallmauer durchbrochen. Und da sind die Busreisenden und sonstige Fußkranke nicht mitgezählt. Es wird Zeit, sich nach (spanischen) Alternativen umzuschauen.

Da gibt es z.B. den

Camino Cid

benannt nach den berühmten spanischen Nationalhelden Rodrigo Díaz de Vivar und auf seinen Spuren. Es geht entweder zu Fuß oder mit dem Auto mehr oder weniger auf die Strecke von Cid Heimatort Vivar nach Valencia. Ob es Unterkünfte wie auf dem Jakobsweg gibt, habe ich noch nicht herausfinden können, man muss wohl eher in Hotels und Pensionen übernachten, aber einen Camino-Pass mit Möglichkeiten dafür einen Stempelnachweis zu erhalten, gibt es auch hier. Statt einer heiligen also eine heldenhafte Schnitzeljagd. Und lernt dabei ein völlig unbekanntes Spanien kennen. Wer kennt schon Orte wie Sigüenza oder Covarrubias? Es lohnt sich, sie kennen zu lernen. Wer es nicht unbedingt möchte, braucht auch dem Cid nicht bis Valencia zu folgen.

Wer es etwas organisierter möchte, denn auf dem Camino del Cid sind sicherlich Spanischkenntnisse vonnöten, so wie in der Frühzeit auf dem Jakobsweg auch, der kann mit der von mir geschätzten Agentur Terraviva in Aragon wandern, Informationen hier:

http://www.terraviva.de/wandern-spanien-aragon/

So schön wie auf dem Jakobsweg wird es allemal ! Auch wenn am Ende keine große Kathedrale lockt. Wichtig ist doch am Ende ohnehin, welches Ziel man sich selber setzt.

Euer To.